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Neuer Realismus

Hyperreales Theater

Das Zentrum für Politische Schönheit schärft die Konturen der Realität

von

Schön ruhig ist es hier auf meiner hyperrealen Fähre – zu ruhig, um wahr zu sein. Im Moment liegt sie im Hafen der real existierenden Gegenwart. Bald wird sie wieder, schwer beladen, zum anderen Ufer fahren. Dort wird ihre Fracht teilweise ausgetauscht werden. Geben und nehmen. Bei ihrer Rückkehr in den Hafen wird es darauf ankommen, ob die Fähre hier wieder von ihrer – nun leicht entflammbaren – Last befreit werden kann, um auch fortan ihrer Bestimmung folgen zu können. Diese Entscheidung kann der Fährmann allerdings nicht alleine treffen.

„Die Toten kommen“. Aktion vom Zentrum für Politische Schönheit. Foto David Baltzer
„Die Toten kommen“. Aktion vom Zentrum für Politische Schönheit. Foto David Baltzer

Dieses Bild ließe sich nun leicht überstrapazieren. Bis hierhin hat es aber schon seinen Zweck erfüllt. Es sollte dazu dienen, dem Autor den neuerlichen Zugang zu einer Debatte zu erleichtern, von der er sich eigentlich gerne (wieder) entfremden würde. Nicht dass die aktuelle Diskussion um einen neuen Realismus im Theater ihm nicht höchst relevant erschiene! Es ist nur so, dass er hierüber schon Aktion auf und Podium ab so oft geredet hat, dass er sich wieder auf den Kern dessen besinnen muss, um was es ihm dabei eigentlich ging. Jetzt, nach dem Eingangsbild, weiß er es wieder.

Hier soll offenbar werden, woran es eigentlich den Menschen fehlt, die keine Ideen verstehen – und treuherzig genug gestehen, daß ihnen alles dunkel ist, sobald es über Tabellen und Register hinausgeht.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel

In meiner Arbeit für das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) galt es schon von Beginn an, einen Spagat zwischen Kunst und Politik, Fiktion und Realität zu unternehmen und – vor allem – über längere Zeit fest zu installieren. Als lebensläufig interdisziplinäres Wesen (den Ausdruck „gebrochene Biografie“ finde ich irgendwie zu wertend) kam es mir sehr entgegen, während der Stoffentwicklung für eine neue Aktion keine konstruierte Trennung zwischen künstlerischem, philosophischem und politischem Denken und Fühlen zuzulassen. Kunstfreiheit bedeutet für uns immer auch, innerhalb des „Kunstbetriebs“ frei zu sein, alle erdenklichen Quellen und Mittel zu nutzen, um ein Kunstwerk zu schaffen sowie unterschiedliches „Kunsthandwerk“ zu nutzen, um wiederum die Quellen und Mittel zu beeinflussen.

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