Thema

Kriegsbemalung, kein Balzsymbol

Nicola Bramkamp und Lisa Jopt über das erste Treffen der Theatermacherinnen in Bonn, geschlechtsspezifische Lohnunterschiede und die Deutungshoheit der Masse Mann – ein Gespräch mit Dorte Lena Eilers

von , und

Wir müssen reden – Lisa Jopt (rechts) und Günter Alt in Laura Naumanns gleichnamigem Stück am Schauspielhaus Bochum 2017. Foto Diana Küster
Wir müssen reden – Lisa Jopt (rechts) und Günter Alt in Laura Naumanns gleichnamigem Stück am Schauspielhaus Bochum 2017. Foto Diana Küster

Lisa Jopt, Nicola Bramkamp, Ihr veranstaltet am 11. März in Bonn mit „Burning Issues“ ein bundesweites Treffen der Theatermacherinnen. Es geht um gleiche Bezahlung von Männern und Frauen bei vergleichbarer Arbeit, um Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um mehr Frauen in Führungspositionen und auf Regieposten und um die Frage, inwieweit die MeToo-Debatte auch das Theater betrifft. Männer sind nicht zugelassen. Warum?
Nicola Bramkamp: Wir wollen sofort in die Debatte einsteigen, ohne Umwege …
Lisa Jopt: … und dachten, untereinander zunächst offener sprechen zu können, als wenn Männer – die wir natürlich sehr lieben – bereits in der ersten Runde mit dabei sind. Die Verständigungswege sind kürzer, weil Frauen auf einen ähnlichen Fundus an Erfahrungen zurückgreifen können.
Bramkamp: Wenn ein Thema so sensibel ist, man aber auch noch nicht mit einem klaren Forderungskatalog nach draußen gehen will, ist es zunächst wichtig, dass die Menschen miteinander in den Dialog gehen, die es betrifft, um dann – quasi nach ersten Sondierungsgesprächen – den Diskurs zu öffnen.

Aber Männer betrifft die Debatte doch auch.
Jopt:
Ja natürlich. Unsere Konferenz ist nicht gegen Männer, sie ist im Resultat für alle Menschen, die Interesse an Gerechtigkeit, Umverteilung von Macht, Verantwortung und Transparenz haben.

Laut der aktuellen Studie des Deutschen Kulturrates „Frauen in Kultur und Medien“ ist der Anteil der Direktorinnen im Theaterbereich zwischen 1994 bis 2014 von 19 auf 22 Prozent gestiegen. Drei Prozent in zwanzig Jahren. Das ist nicht viel. Auch die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen wird von Theatermacherinnen seit den siebziger Jahren beklagt. Haben Frauen im Theater ihre Ziele zwischenzeitlich wieder aus den Augen verloren?
Bramkamp:
Ich sehe das eher als ganz normale Staffelstabübergabe zwischen den Generationen. Ähnlich wie die Migrationsdebatte oder die Inklusionsdebatte müssen wir das Thema Frauen wie eine olympische Fackel weiter durch die Gemeinde tragen, damit das Feuer nicht verlischt. Momentan ist das politische Klima ausgesprochen gut, um endlich konkrete Forderungen zu stellen. Der Gender Pay Gap ist nichts Neues, aber durch das Entgelttransparenzgesetz haben wir endlich die Möglichkeit, aktiv zu werden.

Das Gesetz besagt, dass Angestellte in Betrieben mit mehr als zweihundert Beschäftigten nicht nur das Recht haben zu erfahren, nach welchen Kriterien sie bezahlt werden, sondern auch, was bei vergleichbaren und gleichwertigen Tätigkeiten gezahlt wird.
Bramkamp:
Genau. Als ich hier in Bonn meine Stelle als Schauspieldirektorin antrat und die erste Gehaltsliste meines Vorgängers sah, konnte ich es kaum glauben, dass Frauen so viel schlechter bezahlt werden als Männer.

Kommentar hinzufügen

Meistgelesene Beiträge

Alle

auf theaterderzeit.de

Extrem unwahrscheinlich

Haslach und Finkenschlag – Die Langzeit bespielung eines Stadtteils und der nicht zu ersetzende menschliche Faktor

Wir müssen leider Anträge schreiben

Über Gegenwart und Perspektiven der freien Szene – Claudia Bosse vom theatercombinat Wien, Tina Pfurr vom Ballhaus Ost und LAFT Berlin sowie Simon Kubisch von der Gruppe KGI im Gespräch

Theater-News

Alle

auf theaterderzeit.de

- Anzeige -

Autorinnen und Autoren des Verlags

A - Z

Bild von Ralph Hammerthaler

Ralph Hammerthaler

Bild von Michael Schindhelm

Michael Schindhelm

Bild von Heiner Goebbels

Heiner Goebbels

Bild von Wolfgang Engler

Wolfgang Engler

Bild von Sasha Marianna Salzmann

Sasha Marianna Salzmann

Bild von Dirk Baecker

Dirk Baecker

Bild von Hans-Thies Lehmann

Hans-Thies Lehmann

Bild von Gunnar Decker

Gunnar Decker

Bild von Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann

Bild von Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Bild von Falk Richter

Falk Richter

Bild von Friedrich Dieckmann

Friedrich Dieckmann

Bild von Kathrin Röggla

Kathrin Röggla

Bild von Etel Adnan

Etel Adnan

Bild von Joachim Fiebach

Joachim Fiebach

Bild von Bernd Stegemann

Bernd Stegemann

Bild von Lutz Hübner

Lutz Hübner

Bild von Milo Rau

Milo Rau