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Jenseits von Plüsch und Pomp

Das Berliner Musiktheaterkollektiv glanz&krawall erkundet den Grenzbereich zwischen E- und U-Kultur

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„L’Orfeo“ erklingt in der Psychiatrie. In einem Wasserspeicher im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg öffnet sich die Tür zu Dantes „Inferno“. Monteverdi findet sich in der Wrestling-Arena wieder. Und Carmen trägt kein rotes Kleid. Wo das Berliner Musiktheaterkollektiv glanz&krawall zu Werke geht, muss man eines jedenfalls nicht fürchten: Opernkonventionen. Jenseits von Plüsch und Pomp schafft die Gruppe Produktionen, „die niedrigschwelliger sind und sich nicht diesen elitären Anstrich geben“, wie es Regisseurin Marielle Sterra ausdrückt. Die ist im Verbund glanz&krawall, zu dem im Kern noch der Dramaturg Dennis Depta und die Bühnenund Kostümbildnerin Kim Scharnitzky gehören, passenderweise auch die einzige Künstlerin mit Ausbildung in klassischer Musik. Sterra studiert in Zürich und an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“, wo sie wegen einer unglücklichen Fügung die Einzige in ihrem Jahrgang war – und schon deshalb früh auf die Suche nach Kollaborationen ging.

glanz&krawall (v.l.n.r. Marielle Sterra, Kim Scharnitzky und Dennis Depta). Foto privat
glanz&krawall (v.l.n.r. Marielle Sterra, Kim Scharnitzky und Dennis Depta). Foto privat

Mit Depta, der neben dem Theater in einer Indierock-Band spielt, und Scharnitzky, die ihre Profession unter anderem an der Technischen Universität Berlin gelernt hat, arbeitet Sterra seit 2014 am Grenzabbau zwischen E- und U-Kultur. Das ist im schubladenverliebten deutschen Kulturbetrieb bekanntlich eines der härteren Unterfangen. „Wir versuchen, Krawall in den Musiktheaterbetrieb zu bringen, aber auch den Glanz ins Schauspiel“, beschreibt Depta die Philosophie der Gruppe und ihren Namen. Das Resultat sind fast durchweg leuchtende Cross-over-Expeditionen ins Offene, die ihren Reiz aus der Reibung von Kunst und Realität, Text und Musik, Konzept und Unberechenbarkeit beziehen.

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