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Schlaflosigkeit als Thema einer Theater-Revue

Schlafforscher Zulley tritt mit zwei Schauspielern im Regensburger Turmtheater auf

Die Geheimnisse von Schlaf und Traum sollen ergründet werden im kleinen Turmtheater in der Regensburger Altstadt. Dafür hat der Regensburger Chronobiologe und Psychologe Jürgen Zulley, einer der bekanntesten Schlafforscher Deutschlands, derzeit die Forschungslabore verlassen - und ist auf die Theaterbühne gewechselt.

Dort steht er nun zusammen mit den Schauspielern Martin Hofer und Heinz Müller, die alle möglichen Gründe für Schlaflosigkeit durchspielen und mit Hilfe des Dramatikers Joseph Berlinger literarische Texte zum Thema aufgespürt haben.

Mit dem Projekt «Prof. Zulleys Hofer und Müller zum Einschlafen» will das Trio gleichzeitig informieren und unterhalten. Äußerst wichtig sei ihm dabei, dass bei seinen Ausführungen gelacht werde, sagt der 64-jährige Zulley. Akademischer Dünkel sei ihm unangenehm, möglichst viele Menschen wolle er mit den Ergebnissen aus seinem Schlaflabor erreichen und neugierig machen. Schließlich hätten fast die Hälfte der Bundesbürger Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen.

Der Diplomingenieur und Diplompsychologe nennt den Schlaf eine «deutlich unterschätzte Grundlage» des Lebens und wehrt sich dagegen, ihn als eine Art verlorene Lebenszeit zu betrachten. Schlaf fördere Wachstum, Gedächtnis, ja sogar die Wundheilung. Als ihm Theaterleiter Martin Hofer die Möglichkeit geboten habe, seine Forschungsergebnisse im Rahmen einer Theater-Revue zu präsentieren, habe er rasch zugesagt. Hofer leitet das kleine Turmtheater in Regensburg in der zweiten Saison und ist stets auf der Suche nach neuen dramatischen Darstellungsformen.

Der Wissenschaftler steht ohne Manuskript auf der Bühne, plaudernd wie ein bestens geübter Moderator, während die Schauspieler im Pyjama und mit Fliegenklatschen bewaffnet im Publikum auf Insektenjagd gehen. Seine Botschaften spickt Zulley mit mancherlei Spitzen - etwa jener, dass Männer nicht das Schnarchen gelernt hätten, um wilde Tiere in die Flucht zu schlagen, sondern um die Frauen wachzuhalten, damit diese die Bestien vertreiben mögen.

Er erklärt, dass es derzeit 88 bekannte Formen von Schlafstörungen gebe, und lädt alle Zuschauer fröhlich in sein Schlaflabor ein, falls diese «sich noch für keine entschieden» hätten. Unterbrochen wird der Wissenschaftler dabei durch Spielszenen von Hofer und Müller, die Texte zum Thema dramatisch ausgestalten. Da schlüpft Hofer beispielsweise aus dem Bett, um auf die Toilette zu gehen - und kehrt als schlafloser Mörder Macbeth zurück.

Eine Schlafstörung sei kein Phänomen der Nacht, sagt Zulley. Der Königsweg in den Schlummer sei die Entspannung, die man durchaus lernen könne. Ganz wichtig sei es, sich auf die biologischen Rhythmen einzulassen, die in jedem Menschen schwingen. Um den Tag über entspannt zu bleiben, plädiert er beispielsweise dafür, alle 90 Minuten eine Pause einzulegen und 10 bis 30 Minuten Mittagsschlaf zu halten. Die Siesta-Kultur sei in unseren Breiten fatalerweise der Industrialisierung zum Opfer gefallen. Überhaupt wirkten sich Zeitdruck, Reizüberflutung und mangelnde körperliche Bewegung negativ auf den Schlaf aus.

Den Zuschauern solle bewusst werden, wie spannend das Thema Schlaf tatsächlich sei, sagt Zulley - und wie viel passiere, während sie schlafen: Dass es Schlafphasen gebe, in in denen sich im 90-Minuten-Rhythmus Tief- und Traumschlaf ablösen, dass der Mensch im Schlaf recht häufig aufwache, sich aber nur daran erinnere, wenn eine solche Wachphase länger als drei Minuten dauert; darüber, dass jeder Mensch träume, sich aber nicht jeder daran erinnern könne. Und: dass viele Menschen früher zwischen Erst- und Zweitschlaf unterschieden hätten, also um 3.00 Uhr aufzustehen und eine Weile zu schwatzen oder Dinge zu erledigen pflegten, bevor sie sich dann wieder hinlegten.

Die Theaterproduktion «Prof. Zulleys Hofer und Müller zum Einschlafen» ist diese Woche noch von Donnerstag bis Sonntag im Regensburger Turmtheater zu sehen.

www.regensburgerturmtheater.de

Von ddp-Korrespondent Jakob Sterninger
ddp/joj/han

Notiert am 16.03.2010 von Hugo Velarde