Heft 06/2008
Wider die Verlenzung
Broschur mit 84 Seiten
Format: 215 x 285 mm
ISSN 0040-5418
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- Dramaturgiemaschinen
- Nichts ist erledigt, nur weil es verging
- Wer hat Angst vor Harrison Ford
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Audio-Magazin zu Heft 06/2008
Dramaturgiemaschinen
Zu den Bühnen Mark Lammerts
Solange das Theater vorgab, dem literarischen Werk zu dienen, ging seine Tendenz dahin, Sprache als Accessoire von Bühnenbildern und optischen Regieeinfällen zu behandeln. Später, als es sich selbst in den Vordergrund und das literarische Werk in den Hintergrund rückte, schickte es Sprache und Bild in einen wechselseitigen Verdrängungswettbewerb auf die Bühne. Wann immer sich optische Wirkungen in den Vordergrund spielten, verlor die Sprache. Wann immer das Sprechen der Sprache in Erscheinung trat, wurden die Bilder grau. Die Frage, wie Sprache im Theater über die Mimesis individueller Rede hinausgeführt werden kann, betrifft daher nicht nur die Spezialisten der Texte, sondern ebenso die Spezialisten des Bildes, die aus der Illustration zurücktreten müssen, indem sie deren Tradition durchdringen.
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Nichts ist erledigt, nur weil es verging
Das amerikanische Living Theatre befindet sich derzeit auf einer Tournee durch Europa, und zwar mit einer Inszenierung, die 1963 im Mai Premiere hatte bzw. 1964 zum ersten Mal in Berlin zu sehen war. Hier war sie damals Teil einer Veranstaltungsreihe in der Akademie der Künste, die Walter Höllerer mit dem Titel 'Modernes Theater auf kleinen Bühnen' initiiert hatte und deren Absicht es war, jeweils mittwochs für mehrere Wochen neue Theaterformen zu präsentieren. Mit 'The Brig' wurde der Auftakt dieser Veranstaltungsreihe gemacht. Mittlerweile sind 45 Jahre vergangen und die damals neuen Theaterformen haben sich längst etabliert oder sind schon wieder sang- und klanglos von den Bühnen verschwunden.
Wer hat Angst vor Harrison Ford
Bogotá ist schön wie immer und gestaltet in aller Ruhe das Chaos, das dieser Metropole ihr Leben einhaucht. Das elfte Festival Iberoamericano de Teatro de Bogotá, immer noch unter der Leitung seiner Gründerin Fanny Mikey, scheint der Stadt ein gigantisches Ebenbild entgegenstellen zu wollen: 88 internationale Produktionen aus 45 Ländern sind eingeladen worden, dazu noch 160 aus Kolumbien, wobei allerdings auch die kleinsten Straßentheater-Performances und Workshops mitgerechnet werden. Aber bei allen Abstrichen bleibt dennoch eine gewaltige Überfülle, auf die andere Festivalleiter, die als erwartungsvolle Headhunter anreisten, nun etwas hilflos zurückblicken. Müde von ihren langen Tagesgeschäften treffen sie sich nachts in der Bar des Tequendama-Hotels und überlegen, welchen Nutzen sie aus diesem Riesenfestival für Prag oder Seoul, für Polen oder den Iran ziehen könnten, und erzählen sich etwas feige, dass ein bereits abgereister koreanischer Kollege gesagt habe: 'This festival is funny only for Fanny.' Allerdings lacht keiner mehr über den Witz.


