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Titelcover

Heft 07/1947
12 Stücke auf 12 Bühnen

Broschur mit 40 Seiten
Format: 210 x 290 mm

ISSN 0040-5418


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12 Stücke auf 12 Bühnen

Im Lande Thüringen fand in der ersten Hälfte des Juni die Leistungsschau der Theater statt, ein Wettbewerb besonderer Art, der auf Anregung Professor Maxim Valentins im vorigen Jahre erstmalig durchgeführt wurde und alljährlich wiederholt werden soll.

Der Grundgedanke ist sehr einfach: Gegen Ende der Spielzeit zeigt jedes Theater eine Inszenierung nach eigener Wahl, die es für typisch und zugleich repräsentativ hält. Eine demokratisch zusammengesetzte Jury prämiiert, wie es in dem Programm heißt, "die beste Ensembleleistung, die beste fortschrittliche Regie und die im Rahmen eines Ensembles hervorragendste schauspielerische Einzelleistung". Der Spruch der Jury bildet die Diskussionsgrundlage der abschließenden Arbeitstagung, bei der verbindlich praktische Schlußfolgerungen für die Weiterarbeit in der nächsten Spielzeit gezogen werden.

Da an der Theaterschau neben den interessierten Fachleuten der staatlichen, städtischen und privaten Bühnen vor allem die Vertreter des Ministeriums für Volksbildung, der städtischen Kunstämter, der Gewerkschaften, der Jugend, der politischen Parteien und selbstverständlich der Presse teilnehmen, sind die Schlußfolgerungen für die Bühnen recht bedeutungsvoll: Subventionierung, Zusammenlegung von Theatern, eventuelle Schließung, Umbesetzung in der Leitung, Übernahme von Privattheatern in staatliche, städtische oder gesellschaflliche Regie, Spielplanaustausch, Gründung von Volksbühnen mit Wanderbetrieb, Neuplanung bei der Organisierung von Abstechern, Verbesserung der Transportmöglichkeiten und andere materielle Hilfen zur Erhöhung des künstlerischen Niveaus -: das sind einige Stichworte, hinter denen der Sachverständige sogleich die ganze Kompliziertheit, aber auch die Konkretheit der Fragestellungen erkennt.

Nicht hoch genug einzuschätzen ist dieser Versuch des Landes Thüringen, auf einem der wichtigsten Gebiete der Politik, der Kullurpolitik, nicht vom grünen Tisch, sondern vom Leben her zu disponieren. Man sollte, so meinen wir, die Anregung, die hier gegeben ist, überall beachten und sie, nach lokalen Eigenarten sinngemäß abgewandelt, zu nutzen versuchen. Deshalb berichten wir an dieser Stelle so eingehend darüber.

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Seit dem Vorjahre hatte man einiges gelernt. Die Bühnen beschränkten sich diesmal auf Schauspielaufführungen. (Für die Oper will man einen gesonderten Wettbewerb vielleicht schon im nächsten Jahre durchführen; für Singspiel und Operette werden ähnliche Pläne erwogen.) So blieben die Vergleichsmöglichkeiten besser gewahrt, und die ohnehin schwierige und verantwortungsvolle Arbeit der Jury wurde erleichtert.

Die Aufführungen der zwölf wetteifernden Bühnen trugen auch nicht mehr den Charakter von ehrgeizigen Sonderinszenierungen: es waren fast durchweg sauber einstudierte Repertoireaufführungen. Wer die Verhältnisse in Provinztheatern, auch in großen, kennt, weiß ohnehin, daß man hier viel weniger bluffen kann als in der Hauptstadt. Man kann in den meisten Fällen nicht einmal eine weiter zurückliegende, besonders gelungene Inszenierung als Reprise darbieten; denn die Dekorationen sind längst anderweitig verarbeitet, die Kostüme sind dem Verleiher zurückgegeben, oder ihr Material ist zu Änderungen verbraucht.

Übrigens zeigte es sich sogleich, wo einzelne Theater sich aus falschem Ehrgeiz übernommen hatten, wie sich umgekehrt auch der wirkliche Leistungsstandard unschwer erraten ließ, wenn eine Bühne infolge von Erkrankungen im Personal oder aus andern Gründen in letzter Minute eine andere als die vorgesehene Inszenierung bieten mußte. Und schließlich lagen ja Programmhefte vor, aus denen der gewöhnliche Spielplan zu entnehmen war. Man konnte also im Einzelfall ziemlich zuverlässig und konkret die Durchschnittsleistung abschätzen. [...].

Aus Fritz Erpenbeck: 12 Stücke auf 12 Bühnen. Kritischer Streifzug durch die diesjährige Thüringer Theaterschau, S. 1

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