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Titelcover

Heft 10/1947
Dramaturgisches Handwerk

Broschur mit 40 Seiten
Format: 210 x 290 mm

ISSN 0040-5418


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Dramaturgisches Handwerk

"Das wirkliche Talent setzt sich über allen handwerklichen Regelkram hinweg und geht seinen eigenen Weg." Diesen Satz zitiere ich aus dem Begleitschreiben eines der zahlreichen Theaterstücke, die man der Redaktion zur Prüfung sandte. Der junge Verfasser fuhr fort: "Es kommt nicht darauf an, verstaubte Vorschriften zu beachten, sondern das Drama unserer Zeit zu gestalten."

Derartige Sätze sind typisch. Unsere jungen Dramatiker treten zwar nicht immer mit dem gleichen Selbstbewußtsein auf, wohl aber fast alle mit der gleichen, meist in schlechterm Deutsch vorgetragenen Verachtung alles Handwerklichen, alles "verstaubten Regelkrams".

Ihre Stücke sind denn auch gewöhnlich danach.

Ein deutliches, ja ein grobes Wort tut einmal not: Der Dilettantismus feiert Orgien.

.

Um von vornherein allen Mißverständnissen zu begegnen, soll wiederholt werden, was wir schon oft aus verschiedenem Anlaß erklärten: Ohne Talent, oder sagen wir bescheidener: ohne Begabung ist kein Kunstwerk zu schaffen.

Aber auch die Begabung ist kein absoluter Wert. Beinahe jeder Mensch hat irgendeine künstlerische Begabung. Sie kann schlummern und geweckt werden. Man kann sie vertun und verspielen. Sie kann durch Betätigung in falscher Richtung ebenso gelähmt und verdorben werden, wie sie umgekehrt durch richtige, das heißt ihr entsprechende Betätigung unermeßlich gesteigert werden kann.

Dazu gehört vor allem Fleiß.

Das mag manchem unserer jungen "Genies" recht banal klingen; aber wir wissen uns in dieser Banalität einig mit allen wahrhaft Großen der Kunst.

.

Setzen wir also das Talent als gegeben voraus. Ja, sprechen wir sogar, um unsern zahlreichen; angeblich von einer der Musen geküßten Metaphysikern recht weit entgegenzukommen, einmal kurz vom Genie.

Stimmt es wirklich, daß sich die Genies über "allen Regelkram" hinwegsetzten und ihren "eigenen Weg" gingen? [...].

Aus Fritz Erpenbeck: Dramaturgisches Handwerk. Aus der Redaktions-Postmappe des "Theater der Zeit", S. 1

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