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Titelcover

Heft 08/1950
Theater - eine Waffe im Kampf um den Frieden

Broschur mit 40 Seiten
Format: 210 x 290 mm

ISSN 0040-5418


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Theater - eine Waffe im Kampf um den Frieden

Vor neun Jahren geschah es, daß die Armee Hitlerdeutschlands die große Sowjetunion überfiel, vor neun Jahren war es, daß der deutsche Faschismus den ersten Schritt in das Grab tat. Und nun, was war das Ergebnis, was war die Folge? Erinnern wir uns an den Zusammenbruch vor fünf Jahren. Erinnern wir uns einmal einen Augenblick an das Entsetzen, das über uns hereinbrach. Empfinden wir einmal, ohne große Worte zu machen, was uns in jenen Tagen, als wir durch die Kraft der Roten Armee vom Nationalsozialismus befreit wurden, was in jenen Tagen von unserer Heimat, von unserer Kultur, von unserem Theater übriggeblieben war. Trümmer, rauchende, schwelende Häuser, Entsetzen, Leid, Not. Es war uns eigentlich nichts übriggeblieben als unsere Augen, um zu weinen, und von allen Gütern, die wir besessen hatten, war uns ein Gut geblieben, die Sprache. Die Sprache, um zunächst einmal zu klagen, die Sprache, jenes Instrument der Verständigung, jenes große nationale Gut, auf dem auch unser Theater, unser deutsches Theater, beruht. Und da war es nun erstaunlich, daß es in jenen Tagen des Chaos, der Ratlosigkeit und der tiefsten Desorganisation des deutschen Volkes gerade die deutsche Bühne war, die ohne zu fragen und zu zögern ihre Arbeit aufnahm, und daß es gerade die deutschen Menschen waren, und vor allen Dingen die deutschen Arbeiter, die zu den Stätten der Bühne kamen, um dort wieder das deutsche Wort, um dort wieder die Werke unserer unvergänglichen Klassiker zu hören. Erinnern wir uns, mit welcher Erschütterung wir die Botschaft der Verständigung, die Botschaft der Versöhnung in Lessings 'Nathan der Weise' in jenen Tagen hörten. Damals gab es noch wenige Theater. Die Schauspieler zogen auf Behelfsbühnen, die sie sich errichteten. Sie trugen mit ihref eigenen Hände Werk dazu bei, daß die Bühnen schnell wieder instand gesetzt wurden. Es war hier in Berlin vor allen Dingen die Unterstützung der sowjetrussischen Armee und der unvergeßliche Befehl von Generaloberst Bersarin, die es ermöglichten, die Theater sofort in Gang zu setzen, um den Menschen in ihrer tiefsten Not jene Kraftquelle zugänglich zu machen, deren sie bedürfen, um sich für die schwere kommende Arbeit aufzurichten, zu stärken und zu ermutigen. Denken wir einmal zurück, wie wir den Riemen enger schnallten, wie wir hungerten, wie die Schauspieler die Bausteine zusammentrugen, um wieder ihre Garderobe zurechtzubauen, wie von allen Seiten her der Wunsch, der kulturelle Hunger nach Humanismus, nach Frieden, nach Verständigung, nach Aufbau eines neuen Lebens in uns ausbrach. Wir können voll Stolz sagen, daß die deutsche Bühne in den Tagen des Zusammenbruchs einen entscheidenden und wesentlichen Beitrag zur Wiederaufrichtung unserer Moral, zur Hebung eines neuen Bewußtseins, eines neuen demokratischen Bewußtseins geleistet hat ...

Der Friede ist bedroht durch vielerlei Gefahren inder Welt. Eine der größten Gefahren gerade in Deutschland ist die Spaltung unseres Vaterlandes. Auch das müssen wir Freunde der Kunst und des Theaters wissen, daß gerade unsere Spaltung ein entscheidender Gefahrenherd für einen kommenden Krieg sein kann und ein solcher Gefahrenherd sein wird. Deshalb müssen wir uns fragen, was tun wir, mit den Mitteln der Bühne, wir Zuschauer und wir Arbeiter der Bühne, von oben her gemeinsam, um diese Spaltung Deutschlands zu überwinden und um unseren Kampf um die nationale Einheit, um die Einheit des Vaterlandes zu verbinden mit all den anderen Kämpfen um die Erhaltung des Friedens. Der konkrete Kampf um die Einheit Deutschlands ist ein untrennbarer Bestandteil des Kampfes um die Erhaltung des Gesamtfriedens in der Welt, und hier hat die Bühne eine gewaltige Aufgabe. Und auch die Volksbühne. Den Besucherschaften der Volksbühne ist hier eine große Aufgabe gestellt. [...].

Aus Wolfgang Langhoff: Theater - eine Waffe im Kampf um den Frieden, S. 1

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