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Titelcover

Heft 12/1951
Gefühlsgedächtnis des Schauspielers

Broschur mit 40 Seiten
Format: 160 x 230 mm

ISSN 0040-5418


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Gefühlsgedächtnis des Schauspielers

Die seelische Verfassung des Schauspielers und sein Körper bilde, so ergab es sich aus unserer bisherigen Untersuchung über das Wesen der Schauspielkunst, in gleichzeitiger, wechselwirkender Vereinigung sowohl den Träger als auch das Material des schöpferischen Prozesses der Gestaltung.

Wie ist so etwas möglich? Wie kann die Seelenwelt des Schauspielers gleichzeitig die Gefühle der Gestalt und seine eigenen Erlebnisse als Mensch und Gestalter umfassen?

Die Frage nach dem Erleben im Bühnenspiel konnte lange Zeit aus dem einfachen Grunde keine endgültige Lösung finden, weil die Anhänger beider Richtungen sie vom Standpunkt der formalen Logik betrachteten, statt sie, wie erforderlich, dialektisch zu lösen. Man fragt "Entweder - oder?" Entweder muß beim Bühnenspiel das Gefühl vorhanden sein - oder nicht. Man sprach vom Gefühl wie von einer Sache, obwohl das Gefühl kein Gegenstand, sondern ein Vorgang ist und folglich verschiedene Entwicklungsstadien, verschiedene Intensitätsgrade, verschiedenen Charakter, eine unendliche Vielzahl von Abstufungen hat; überdies kann das Gefühl mit anderen im Bewußtsein des Menschen vorgehenden Prozessen in Wechselbeziehungen treten.

Diese Tatsache berechtigt zu der Annahme, daß es eine besondere, nur dem Schauspieler eigene Form menschlichen Erlebens gibt, das sich hauptsächlich beim Bühnenspiel einstellt.

Wenn diese Annahme richtig ist, kann die Frage, ob der Schauspieler auf der Bühne die Gefühle der Gestalt erleben soll, mit Ja und Nein beantwortet werden: mit Nein, wenn die im Leben üblichen Erlebnisse, mit Ja, wenn besondere, szenische Gefühle vorausgesetzt werden.

Den Unterschied zwischen dem Erlebnis im Leben und auf der Bühne wird jeder Schauspieler aus eigener Erfahrung kennen. Es ist nicht möglich, auf der Bühne zu spielen, ohne diesen Unterschied zu entdecken. [...].

Aus B. Sachawa: Gefühlsgedächtnis des Schauspielers, S. 4-5

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