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Titelcover

Heft 14/1951
Erlebnisse - Ergebnisse
Eine Zwischenbilanz

Broschur mit 40 Seiten
Format: 160 x 230 mm

ISSN 0040-5418


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Erlebnisse - Ergebnisse

Eine Zwischenbilanz

Während diese Zeilen geschrieben werden, sind die Weltfestspiele der Jugend und Studenten für den Frieden noch nicht beendet. Wir haben erst einen Teil der bühnenkünstlerischen Darbietungen erlebt. Wesentliche, sehr wesentliche Erlebnisse sogar stehen uns noch bevor. So sahen wir beispielsweise noch nicht das chinesische Nationalprogramm und die chinesische Oper. Und gar manches sicherlich bedeutungsvolle und tiefe Kunsterlebnis wird uns überhaupt entgehen; denn die Fülle des Gebotenen ist allzu groß und die Erlebnisfähigkeit des einzelnen ist begrenzt. Es wird also notwendig sein, in diesen Blättern künftig noch manchen Autor über das Thema Weltjugendfestspiele zu Worte kommen zu lassen. Was wir heute geben können, ist eine kleine Zwischenbilanz, und auch die kann nur einige wenige Erkenntnisse skizzieren, die sich aus starken und stärksten Kunsterlebnissen geradezu aufdrängen.

Was wir als deutsche Kunstschaffende - ältere und alte fast mehr noch als die jungen - allein aus dem Nationalprogramm der vielen, ganz verschiedenartigen Völker lernen können, ist in der Worte wahrer Bedeutung: grundlegend und außerordentlich.

So erledigte sich eine vieldiskutierte Frage - Laienkünstler oder Berufskünstler? - sozusagen nebenbei. Die Programme wurden größtenteils von Laienspielern gemeinsam mit jungen Berufskünstlern durchgeführt. Überall dort, wo tatsächlich echte Kunst geboten wurde - und das war fast überall so -, hätte selbst der nach strengstem ästhetischem Maß wertende Kritiker keinen Trennungsstrich ziehen können. Was er sah und hörte, war nahezu überall Volkskunst: Kunst des Volkes. Es gab so gut wie nirgends Dilettantismus, dos heißt: den Versuch, mit unzureichenden Mitteln etwas zu machen, was mon nicht kann. Deshalb waren die Volkstänze und Chöre der Nationen, oft dargeboten nur von Bauern und Arbeitern, ein ebenso hoher, wenn nicht höherer ästhetischer Genuß als - sagen wir beispielsweise - die Spitzentänze, Opernarien und Kunstlieder der Studenten von Tanzhochschulen und Konservatorien. Beides war wirkliche Kunst, Kunst aus dem Volk uncli für das Volk. Niemand fiel es angesichts der meist hohen Vollendung ein, überhaupt zu fragen: "Sind das Laienspieler oder werdende Berufskünstler?" Der fugenlose Übergang vom einen zum andern ließ die Frage gar nicht erst auftauchen. Unsere bisherigen Diskussionen sind damit entschieden; die Praxis hat die Antwort gegeben.

Wir betonten oben mehrfach die Stärke des Erlebens. Nicht zufällig. Denn tiefer greifend als alle noch so klug dargelegte Theorie lehrt oder zumindest überzeugt in der Kunst die Praxis. Die Praxis der Bühne aber heißt: Erlebnisvermittlung. Selbst Bertolt Brecht, der unermüdlich forschende Verfechter eines wissenschaftlich fundierten Theaters, prägte unlängst bei einer Kunstdiskussion den (bei ihm verblüffenden) Satz: "Letzten Endes ist das Theater doch etwas Emotionelles." [...].

Aus Fritz Erpenbeck: Erlebnisse - Ergebnisse. Eine Zwischenbilanz, S. 3-4

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