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Titelcover

Heft 12/1956
Zur Brecht-Rezeption in Polen

Broschur mit 64 Seiten
Format: 170 x 240 mm

ISSN 0040-5418


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Zur Brecht-Rezeption in Polen

I. Brecht wurde von rechts und vor noch nicht so langer Zeit auch von links angegriffen. Von erklärten Feinden der Revolution und von Verfälschern des sozialistischen Realismus. Die ersten waren geneigt, den Theaterstil zu akzeptieren, jedoch hat sie die Gesellschaftskritik und die "umstürzlerische Tendenz" abgeschreckt. Die anderen nahmen - nicht ohne Vorbehalt - die Problematik an, jedoch erschien ihnen die stilistische Lösung unannehmbar.

Wie es sich herausstellte, haben die Feinde Brecht am treffendsten beurteilt. In der Tat, seine Kunst gefährdet ernstlich das statische Verstehenwollen der Welt und den daraus abgeleiteten obskuren Glauben an die Beständigkeit der auf die Ausbeutung gestützten Ordnung. Selbst in den Werken, die keine unmittelbare Unterscheidung in der gegenwärtigen Welt vornehmen, ist Brecht Sachwalter der plebejischen Tradition. Dies ist das wesentlichste Merkmal seines Schaffens. Und derjenige erweist der Sache einen schlechten Dienst, der wie Adam Tarn sagt, daß für Brecht "die Erneuerung des zeitgenössischen Theaters eine Sache des Stils" sei. (...). Denn es ist nämlich gerade umgekehrt - man nahm die Wirkung für die Ursache. Erneuerung des zeitgenössischen Theaters - ja, aber durch Einführung der plebejischen Tradition, "uns die Menschenwelt so zu zeigen, wie sie ist: von den Menschen gemacht und veränderbar."(...). Dieser Aufgabe ordnet Brecht sein Suchen nach der Form in der richtigen Überzeugung unter, denn eine Technik, "die der Verhüllung der gesellschaftlichen Kausalität diente, kann nicht zu ihrer Aufdeckung verwendet werden" (...).  Brecht hatte schon im Jahre 1938 die sektiererischen Vorwürfe vorausgesehen, die von der am wenigsten erwarteten Seite gegen seine Kunst erhoben würden. "Realistisches Schreiben" - schrieb er seinerzeit
- "kann von nicht realistischem nur dadurch unterschieden werden, daß man es mit der Realität selber konfrontiert ... Es gibt da keine speziellen Formalitäten, die zu beachten wären ... Nicht der Begriff der Enge, sondern der der Weite paßt zum Realismus ... Nichts ist so schlimm, als beim AUfstellen von formalen Vorbildern zuwenig Vorbilder aufzustellen." [...].

Aus Andrzej Wirth: Beitrag zur Brecht-Rezeption in Polen, S. 5

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