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Titelcover

Heft 12/1964
Aschermittwoch für die Theaterkritik?

Broschur mit 40 Seiten
Format: 200 x 270 mm

ISSN 0040-5418


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Aschermittwoch für die Theaterkritik?

Aschermittwoch für die Theaterkritik? Das möchte hier die Frage scheinen, wenn in diesem Heft unsere Rezensionen über eine Klassikeraufführung und die Einschätzung, die ein neues Stück auch in unserer Zeitschrift fand, von anderer Seite in Frage gestellt werden. Wir sind prinzipiell nicht dieser Meinung. Auch - das möchten wir betonen - weil sich THEATER DER ZEIT bei allem Bemühen um größte Objektivität nicht das Amt eines unfehlbaren Kunstrichters anmaßt.

Vor allem jedoch sind wir aus einem zweiten Grund nicht so schnell bußfertig. Auf dem gegenwärtigen Stand unserer Entwicklung, beim Setzen neuer, höherer Maßstäbe für Dramatik und Interpretation entwickeln sich gesetzmäßig unterschiedliche Standpunkte - nicht auf der Basis grundsätzlich gegenteiliger ideologischer Anschauungen, wie das bisher oft der Fall war, sondern im wesentlichen auf der Grundlage einer vielgestaltigen sozialistisch-realistischen Kunstpraxis. Nicht das beunruhigt uns, nicht die absolute Einhelligkeit über die Art, ein gemeinsames Ziel zu erreichen, halten wir für unbedingt erstrebenswert. Besorgt sind wir vielmehr, wenn aus solchen ästhetischen Meinungsunterschieden unmittelbar Unterstellungen, ja Vorwürfe, ideologischer oder gar politischer Art abgeleitet werden. Notwendig erscheint uns das offene Gespräch zwischen Gleichgesinnten über Methoden des Beurteifens künstlerischer Leistungen nach strengem, objektivem, aber nicht allein lokalem Maßstab. Notwendig erscheint uns, über die Breite sozialistischer Theaterkunst zu sprechen und sich abzugrenzen gegen dogmatische und revisionistische Auffassungen, gegen überspannte und leichtfertige ästhetische Qualitätsmaßstäbe. Das wird nicht gehen, ohne Positionen der Unfehlbarkeit, des Dünkels, der Abkapselung, die Praxis der "Für-sich-Menschen" und "Für-sich-Kollektive" in unserer Kultur, die Helmut Sakowski auf der zweiten Bitterfelder Konferenz kritisierte, aufzugeben. Nicht zuletzt deshalb wird es notwendig sein, das Urteil des Publikums in die ästhetische Wertung eines Kunstwerks stärker als bisher einzubeziehen. Das ist nicht einfach, eben weil es "das Publikum" nicht gibt, ebensowenig wie "das Theater", weil es gilt, richtige Relationen zwischen künstlerischem Wert und Publikumsresonanz zu finden. Dieses Thema muß uns interessieren.

Beilage: Neue sozialistische Dramatik 14 (Manfred Bieler: Nachtwache), 12 Seiten

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