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Titelcover

Heft 07/1965
Kulturaustausch und Anerkennung

Broschur mit 40 Seiten
Format: 200 x 270 mm

ISSN 0040-5418


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Kulturaustausch und Anerkennung

Neben der Reise der Komischen Oper nach Stuttgart sind die Besuche der Düsseldorfer und Wuppertaler Schauspielensembles bei uns Themen dieses und des nächsten Hefts. Und da diese Zeilen gesetzt werden, öffnet das Leipziger Opernhaus seine Pforten westdeutschen Kollegen, die mit ihren künstlerischen Darbietungen das große Messejubiläum verschönen wollen. Es wäre also alles in Ordnung, wenn nicht die "böse DDR" durch Kunstexport ihre "Anerkennung" durchsetzen wollte.

So jedenfalls verkündete es kürzlich eine westdeutsche Radiostation, die da glaubte, betonen zu müssen, daß man sich in Bonn nicht "erpressen" lasse, sondern lieber selbst als Erpresser auftrete, indem man die DDR auf "Folgen für den Kulturaustausch mit den westlichen und neutralen Ländern" verweist. Nun steht solcher Hochmut dem am wenigsten an, der gerade auf dem Feld der Politik eine solche Schlappe, was den Alleinvertretungsanspruch betrifft, erlitten hat, daß sich beispielsweise Herr Höfer vor lauter Ratlosigkeit am Bildschirm als Fläz blamierte. Da unsere Kulturleistungen nur ein Faktor sind, der uns internationale Achtung verschafft, sehen wir in den zwischenstaatlichen Abmachungen über den Kulturaustausch in erster Linie eine notwendige Voraussetzung, um Kultur unter sachlichen Bedingungen auszutauschen. Gibt es doch nicht nur den politischen Ignoranten Höfer, sondern auch viele Spielarten dieser Selbstentlarvung auf kulturellem Gebiet. Auf eine verweist Helmut Pietzsch in seinem Artikel: Geht doch die Unsachlichkeit westdeutscher Zeitungen so weit, daß selbst "Theater heute", auf ein gewisses ästhetisches Niveau bedacht, in seinem Januarheft darüber klagen muß. Aber selbst diese Art der Verleumdung, begünstigt durch die betonte "Inoffizialität" des Austauschs (der natürlich in keinem Fall ohne Zustimmung und finanzielle Stützung von Bonner Ämtern stattfindet), reicht offensichtlich nicht mehr aus. Wie anders soll man die gezielten Abwerbungen beim Gastspiel der Komischen Oper in Stuttgart bewerten, die eine Nötigung zur Verletzung von Gesetzen des anderen Staats darstellen. (Das Ethos des Felsenstein-Ensembles hat allerdings alle illusionen von einer Torpedierung des Stockholmer Gastspiels durchkreuzt.) Besonders bedauerlich ist es, daß der Wiesbadener Intendant Dr. Drese durch das Engagement vertragsbrüchiger Bühnenangehöriger diese Störaktion unterstützt. Wenn Generalintendant Prof. Lang deshalb das bereits terminierte Gastspiel der Wiesbadener in Weimar absagte, handelt er nur einer alten guten deutschen Bühnentradition gemäß. Aber damit ist die Provokation nicht aus der Welt geschafft. Staatliche Vereinbarungen über den Kulturaustausch stehen heute dringender denn je auf der Tagesordnung. Denn die gemeinsamen Interessen der deutschen Bühnenschaffenden, wie sie etwa durch die programmatische Stückwahl - einem Werk gegen Rehabilitierung und Verniedlichung faschistischer Greueltaten - beim Gastspiel der Wuppertaler in Weimar zum Ausdruck kam, lassen keinen Platz für einen kalten Kulturkrieg.

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