«FAZ»-Filmkritiker betritt als Theaterjuror Neuland

Der Filmkritiker der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» («FAZ»), Michael Althen, hat in diesem Jahr erstmals die Auswahl von Stücken junger Theaterschreiber für die Autorentheatertage Berlin (8.-17. April) übernommen.

Der Journalist suchte aus 160 Texten 4 aus, die am 17. April in der «Langen Nacht der Autoren» am Deutschen Theater Berlin als Werkstattinszenierungen erstmals aufgeführt werden.

Mit der Aufgabe habe er absolutes Neuland betreten, sagte Althen der Nachrichtenagentur ddp in Berlin. Ihn verbinde keine gemeinsame Geschichte mit dem Schauspiel, der Funke sei - anders als beim Film - nie übergesprungen.

Ausgewählt hat Althen vier Stücke, die «eine Biografie wie im Schwebezustand untersuchen». In «süßer vogel undsoweiter» von Laura Neumann und «In Neon» von Julia Kandzora gehe es um «junge Erwachsene, die im Nirgendwo stehen», sagte der Juror. Katharina Schmitt versuche in «Sam», die Bedeutsamkeit der Lebenszeit zu hinterfragen, in dem sie ihre Hauptfigur für ein Jahr in einen Käfig sperre. Carsten Brandau nehme in «Fabelhafte Familie Baader» bekannte Persönlichkeiten und verpflanze sie in ein gänzlich anderes Milieu.

Althen stellte nur eine Anforderung an die Stücke: Sie sollten ihn interessieren. Dass er sich für die vier genannten Texte entschied, liege vielleicht daran, dass «ich mich in einer Lebensphase befinde, in der ich mich frage, wie es ist, wenn Menschen aus ihrem Lebenstrott ausbrechen, ein Spiel mit der Biografie betreiben», sagte der 47-Jährige. Einen anderen Werkauftrag als das Interesse würde er Theaterschreibern nie geben. Es gebe 1000 Themen. «Welchen Sinn hat es, die Fantasie von Autoren einzugrenzen?»

Eine Vorstellung davon, wie ein gutes Bühnenstück aussehen sollte, habe er nicht, sagte Althen weiter. «Theater als soziale Praxis oder Freizeitbeschäftigung steht nicht auf meinem Plan». Das Schauspiel habe er vielmehr per Zufall entdeckt und eine «naive Begeisterung empfunden». «Mir genügen Momente, Gesten, ein Bühnenbild.» Im Gegensatz zum Film, «wo alles wiederholbar ist», reize ihn die Einmaligkeit der Theaterdarbietungen.

Der Intendant des Deutschen Theaters, Ulrich Khuon, habe ihn unter anderem wegen dieser Eigenschaft als Juror ausgewählt. «Ich sollte einen Blick von außen auf das Schauspiel werfen», sagte Althen. Die Autorentheatertage gebe es seit nun mehr 15 Jahren und «wie jede Branche brät auch das Theater in seinem eigenem Saft». Die Bühne habe ein Bedürfnis nach Unbefangenheit und Neugier. Das Festival, ein Kind Khuons, fand 1995 zum ersten Mal am Staatstheater Hannover statt. Der Dramaturg nahm es 2000 mit ans Hamburger Thalia Theater. In Berlin feiern die Autorentage in diesem Jahr Premiere.

Althen schreibt seit 2001 Filmkritiken für die «FAZ».

ddp/sgr/han

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