Gewinner der Theaterautorentage-Ausschreibung

Im Juni 2018 werden wieder die Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin stattfinden. Hierzu wurden 143 neue Theatertexte eingesandt. Folgende hat die Jury prämiert: „In Stanniolpapier“ von Björn SC Deigner, „Eine Version der Geschichte“ von Simone Kucher und „europa flieht nach europa“ von Miroslava Svolikova.

Das Burgtheater Wien wird Miroslava Svolikovas Stück, das Schauspielhaus Zürich das von Simone Kucher und das Deutsche Theater Berlin das Stück von Björn SC Deigner inszenieren und im Rahmen des Festivals am 22. Juni 2018 im Deutschen Theater Berlin zur Uraufführung bringen. Die drei Autor_innen erhalten ein Uraufführungshonorar von jeweils 10.000 Euro.

Stanniolpapier: Maria ist Prostituierte. In der Welt bleibt sie mit ihrer Seele und Sehnsucht allein und die Leute, auf die sie trifft, die sich an ihr vergreifen und sie benützen, bleiben Fremde, Feinde.

„Björn SC Deigner erzählt diese sehr einfache Geschichte, in der es kein Auf und Ab, sondern nur die eine Richtung ins Nirgendwo gibt, ohne Larmoyanz, Milieu-Kitsch und spießige Rotlicht-Romantik. Die Sprache ist dokumentarisch-poetisch, hart, unmoralisch und bitter, das Melancholische im Ton wirkt wie zersplitternder Firnis. Denn eine Erlösung findet hier nicht statt, zumindest nicht im richtigen Leben, und wenn Maria zurückblickt, dann hatten selbst ihre Träume Risse und brachen ab kurz vor dem glücklichen Ende.“ So begründet die Jury ihre Wahl.

Eine Version der Geschichte: Es handelt sich um eine Annäherung, um ein Herantasten an Geschichte, an eine mögliche Variante. Thematisch geht es um Armenien, um den Genozid, der zwischen 1915 und 1916 an diesem Volk verübt wurde, um die daraus resultierende Zerstörung und Zerstreuung ganzer Familien. Und es geht um Sprache, darum, wie man seine Muttersprache gelernt hat, wie man sie teilweise wieder verlernt, um Bilder, um (Volks-)Märchen in ihrer ursprünglichen Form, als mündliche Überlieferungen, als Parabeln. Welche Geschichten erzählt man sich über seine Ursprünge und Wurzeln weiter, und welche will man vielleicht gar nicht so genau kennen?

„Simone Kucher benutzt originale Tonaufnahmen, die in Gefangenenlagern in der Türkei mit einem alten Phonographen gemacht wurden, und erforscht tastend Familienfotos. Ihre Sprache ist knapp und schnörkellos, aber genau dadurch öffnet sie riesige Assoziationsräume, die Luft lassen für tiefe Emotionen, ohne diese mit zu vielen Worten zu zerreden. Die Autorin schafft >das Unfassbare fassbar, das Abstrakte konkret

europa flieht nach europa: Der Text ist ein akuter wie auch zeitloser über europäische Selbstvergewisserung und Selbstentfremdung. Er handelt von den Träumen, die Europa seit seiner Gründung hat und was sich daraus entwickelt hat, von den Untaten Europas von der Vergangenheit bis in die Gegenwart.

„Europa flieht nach europa“ ist sprachlich atem- und kompromisslos, Exzess- und Gewaltbilder wirken lange nach, zahlreiche klug gesetzte, komische Aperçus, bis hin zum Kalauer, intensivieren den textlichen Tanz zusätzlich. Auf dem Parkett reichen Europas Kinder – wir – ihrer Mutter die Hände. Im Freudentanz, im Totentanz. So die Jury.

Zu den Jurymitgliedern zählen der Kulturjournalist und Theaterkritiker Bernd Noack (NZZ, FAZ, Theater heute, Spiegel online u. a.) als Jury-Sprecher, die Schauspielerin Bettina Stucky (Deutsches SchauSpielHaus Hamburg) und der Schriftsteller Saša Stanišić (Vor dem Fest, Fallensteller).

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