Theaterpreis Berlin 2009

Gosch und Schütz erhalten Stiftungspreis

Für ihre herausragenden Verdienste um das deutschsprachige Theater zeichnet die Stiftung Preußische Seehandlung das Team Jürgen Gosch und Johannes Schütz mit dem diesjährigen "Theaterpreis Berlin 2009" aus.

Die Begründung der Jury:

"Ein gründlicher, fast asketischer Er­forscher der Dra­men-Literatur ist der Regisseur Jürgen Gosch schon immer gewesen, aber erst in den letzten zehn Jahren hat sich seine Thea­ter­­arbeit zu einer nahezu schwe­re­losen Durchläs­sigkeit befreit. Seine Inszenierungen sind zugleich konzen­trierter und offener geworden. Goschs Purismus führt das Theater, das zu­nehmend von der Über­insze­nierung und der entfes­sel­ten Referen­tialität unserer Zeit be­stimmt wird, zurück auf den ele­mentaren Vor­gang.

Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hat Goschs wichtigster künstlerischer Partner, der Bühnen­bildner Johannes Schütz. Seine bezwingend einfachen, ebenso mini­malistischen wie luziden Räume schaffen mit ihren Setzungen den kongenialen Rahmen für ein Theater der
Wahrhaftigkeit, das immer eine gemeinsame Suche ist und das Vergehen der Zeit zum heimlichen Generalthema hat. Schütz' zeichenhafter Anti-Natu­ralis­mus öffnet und begrenzt ein Spiel­feld, das die Ideal­bedingungen für Goschs symbiotische Arbeitsweise herstellt, in der die Mittel der Verfertigung be­wusst ausgestellt werden. Denn angestrebt wird hier nicht der mimetische Verwand­lungs­­­zauber, sondern die Osmose zwischen Dar­steller und Darge­stell­tem.

Wie glückhaft die Arbeitsbeziehung zwischen dem Regis­seur und dem Bühnenbildner ist, haben sie in der aktu­ellen Spielzeit erneut mit zwei höchst unter­schied­lichen, in ihrer Art jeweils exemplarischen Arbeiten unter Beweis gestellt. Die Zürcher Urauf­füh­rung von "Hier und Jetzt", einem Stück von Roland Schimmel­pfennig, und die Inszenierung von Anton
Tschechows Künstler­komödie "Die Möwe" in Berlin bilden geradezu quintessentielle Beispiele einer schöpferischen Kontinuität, die Texten jenseits aller Moden und Konventionen Deutungen von unmit­telbarer existen­tieller Dringlichkeit und größter äs­the­tischer Konsequenz abgewinnt.

In Jürgen Gosch und Johannes Schütz werden zwei sin­guläre, ja erratische Künstler­per­sönlichkeiten mit dem Theater­preis Berlin gewür­digt, die durch ihre geistige Unabhängigkeit das Theater der Gegenwart in einzig­artiger Weise ge­prägt und be­reichert haben."

Der mit 20.000 Euro dotierte "Theaterpreis Berlin" wird auch in diesem Jahr wieder im Rahmen des Berliner Theatertreffens vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit verliehen.

Die Preisverleihung findet im Deutschen Theater am Sonntag, dem 3. Mai, um 11.30 Uhr als ein öffentliches Bühnenfest statt, das Freunde und Kollegen der Preisträger ausrichten.
Alle Theaterfreunde sind herzlich dazu eingeladen.

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