Das 15. Theater-Festival "Impulse"

Elf Produktionen von neun unabhängigen Theatergruppen stehen auf dem Programm

Das internationale Theater Festival Impulse des NRW KULTURsekretariats startet in die nächste Runde. Zum 15. Mal seit 1990 zeigt Impulse Produktionen, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz außerhalb des Stadttheaters produziert wurden:

vom 25. November bis 6. Dezember 2009 in Bochum, Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr. In 12 Tagen präsentieren sich zur, nach eigenen Ausagen, bedeutendsten Bestandsaufnahme neben dem Berliner Theatertreffen neun Theatergruppen mit elf Produktionen aus den zurückliegenden zwei Jahren an 14 Spielstätten. Außerhalb des offiziellen Wettbewerbs sind in diesem Jahr fünf Special Guests zu sehen, darunter wieder zwei hochkarätige internationale Produktionen. Der Vorverkauf für die mehr als 50 Veranstaltungen ist eröffnet.


Die künstlerischen Leiter Tom Stromberg und Matthias von Hartz stellen nach 2007 bereits ihr zweites Programm vor. Erneut präsentieren sie die ganze Bandbreite der Formensprache und Möglichkeiten des freien Theaters. Bei allen Unterschieden in ästhetischer, inhaltlicher und formaler Hinsicht zeigten die ausgewählten Produktionen jedoch auch Gemeinsamkeiten, so Stromberg: „Sie alle beschäftigt die Frage nach den Formen des Zusammenlebens und Zusammenseins: gestern, heute oder morgen, in Europa oder anderswo, in Extremsituationen wie auch im Alltäglichen, ob als Künstler, Politiker, Krimineller oder als „normaler" Mensch." Matthias von Hartz ergänzt: „Die Stücke thematisieren den Menschen in seinem ganz banalen, aber auch in sehr brutalem Handeln, sezieren scheinbar bekannte Tätigkeiten und Bewegungen oder zeigen die Abhängigkeit unseres Tuns von gesellschaftlichen Prozessen und Konventionen." Dr. Christian Esch, Direktor des NRW KULTURsekretariats, freut sich über die zunehmende Bedeutung von Impulse: "Der Einfluss des freien Theaters wächst und zugleich wird Impulse immer wichtiger für die freie deutschsprachige Szene und ihre internationale Öffnung. Nach der Verdopplung der Zuschauerzahlen der letzten Runde 2007 gegenüber 2005 ist Impulse auf einem guten Weg."

Mehr Internationalität durch Special Guests und Kuratorenprogramm:

Die internationale Öffnung des letzten Festivaldurchlaufs wird 2009 weiter vorangetrieben: Erneut hat die künstlerische Leitung mit Gisèle Vienne und Philippe Quesne zwei europäische Produktionen eingeladen, die außerhalb des Wettbewerbs gezeigt werden und wichtige internationale Strömungen freier Theaterarbeit nach Deutschland bringen. Außerdem werden - wieder zusammen mit dem Goethe-Institut und in Kooperation mit internationalen Festivals - Programmmacher, Regisseure, Dramaturgen und Kuratoren aus dem Ausland nach NRW eingeladen. Ziel ist es, den länderübergreifenden Austausch von Produktionen anzuregen und dem freien deutschsprachigen Theater auch auf internationalem Parkett Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Drei Preise:

Im Wettbewerb um den Hauptpreis als beste deutschsprachige Off-Theaterproduktion stehen elf Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Preisträger wird im Rahmenprogramm des Berliner Theatertreffens wie auch bei den Wiener Festwochen zu sehen sein. Ein zweiter Preis geht an eine deutsche Produktion, die - repräsentativ für das deutsche Off-Theater - eine vom Goethe-Institut unterstützte, internationale Gastspieltour durchführen kann. Darüber hinaus wird zum zweiten Mal nach 2007 der Dietmar-N.-Schmidt-Preis für eine herausragende, künstlerische Arbeit eines Einzelkünstlers verliehen.

Veranstaltungsmarathons und Festivalzentren:
Weiter ausgebaut wird auch die Verdichtung des Spielplans an den zwei Festivalwochenenden. Insgesamt acht Marathons bieten dem Publikum und der Presse in diesem Jahr die Möglichkeit, teilweise bis zu fünf Aufführungen an einem Tag zu sehen. Ein auf den Spielplan abgestimmter Bus-Shuttleservice zwischen den Städten und Spielstätten sorgt für den reibungslosen (Rück-)Transport. Im Anschluss an die Marathons bieten die Impulse-Partys in den Festivalzentren Hallmackenreuther (Köln) und FFT Kammerspiele (Düsseldorf) gute Gelegenheiten zum anschließenden Kontakt mit den Künstlern.

Jury:

Carena Schlewitt (Künstlerische Leiterin der Kaserne Basel), Matthias Günther (Dramaturg an den Münchener Kammerspielen), Christine Wahl (freie Journalistin und Theaterkritikerin), Xavier Le Roy (Tänzer und Choreograf) sowie die beiden künstlerischen Leiter.

Die Spielstätten:

Bochum: prinz regent theater, Schauspielhaus Bochum; Düsseldorf: Düsseldorfer Schauspielhaus (Kleines Haus und Central in der Alten Paketpost), FFT (Juta und Kammerspiele); Köln: Alte Feuerwache, Comedia Theater Köln, Hallmackenreuther, Kölnischer Kunstverein, Schauspiel Köln/Halle Kalk, Studiobühne; Mülheim an der Ruhr: Ringlokschuppen, Stadthalle.

Veranstalter, Förderer und Medienpartner:

Impulse 2009 wird vom NRW KULTURsekretariat in Verbindung mit den Städten Bochum, Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr veranstaltet. Unterstützt wird das Festival vom Ministerpräsidenten des Landes NRW, von der Kulturstiftung des Bundes sowie von der Kunststiftung NRW. Weiterer Förderer ist das Goethe-Institut. Medienpartner von Impulse sind Coolibri, die WAZ-Mediengruppe mit derwesten.de, nachtkritik.de sowie die Kölner StadtRevue. WDR3 ist Kulturpartner.


Weitere und stets aktuelle Informationen über www.festivalimpulse.de:

Für das Festival-Design zeichnet erneut der Berliner Künstler und Fotograf Daniel Josefsohn verantwortlich. Den gesamten Spielplan sowie aktuelle Programmhinweise und Trailer finden Sie auf der Homepage www.festivalimpulse.de. Hier stehen neben printfähigen Fotos aller Produktionen auch Filme zum Download zur Verfügung.

Spielplanänderungen bleiben den Veranstaltern vorbehalten.

Theater Festival Impulse: Das Programm 2009

andcompany&Co. "Mausoleum Buffo"

Der Alltag im Kommunismus lehrte viele das Gruseln. Klar, dass es da spukt an Lenins Grab. Immer neue Geister erscheinen: Stalin und Putin, aber auch John Lennon und Micky Mouse. Fakten, Halbwissen und Nonsens vermischen andcompany&Co. zum absurden Totentanz der kommunistischen Ideologie sowie ihrer Pervertierung und stellen mit ihrem furiosen und komischen Spiel zugleich die Frage nach zeitgenössischen Utopien.

Andrei Andrianov & Oleg Soulimenko "Made in Russia"

Der eine war Tänzer am Bolschoi Theater, der andere ist Ergebnis eines One-Night-Stands Jean-Luc Godards in Moskau. Nun stehen sie gemeinsam auf der Bühne, erzählen ihre von russischer Tradition sowie westlichen (Kontaktimprovisation) und fernöstlichen (Butoh) Einflüssen geprägten Künstlerbiografien. Das Ergebnis: eine absurde und aberwitzige Mixtur, eine wahrhaft internationale wie interkulturelle Modern Dance Performance.

Boris Nikitin "F wie Fälschung" (nach Orson Welles)

In Orson Welles' „F for Fake" erhebt ein Fälscher sein Werk zur Kunst. Und auch „F wie Fälschung" handelt von Betrug, Täuschung und Magie. Das Beispiel einer Theaterinszenierung nimmt Boris Nikitin zum Ausgangspunkt seiner vielschichtigen und unterhaltsamen Reflexionen zum Thema Realität. Ein trickreiches Spiel mit dem Spiel, mit der Zuverlässigkeit von Erlebtem und der Illusion von Wirklichkeit.

Boris Nikitin "Woyzeck"

Der echte Woyzeck mordete seine Geliebte und endete dafür am Galgen. Doch damit war der Fall nicht abgeschlossen. Der Begriff „Zurechnungsfähigkeit" spielte fortan auch im Juristenvokabular eine Rolle und wurde zum Ausgangspunkt für Büchners Beschäftigung mit dem Stoff. Boris Nikitin entwickelt aus Büchners Fragment einen furiosen Monolog, ein atemberaubendes Spiel und einen erneuten und erneuerten Diskurs um die Zurechnungsfähigkeit.

Doris Uhlich "SPITZE"

Das klassische Ballett ist eine von Hierarchien, Regeln und einem festen Bewegungskanon bestimmte Kunst. Doch was passiert, wenn man diese Grundfesten einreißt - wenn eine gealterte Ex-Primaballerina tanzt, ein Pas de deux zum Solostück wird oder Bewegungen seziert werden? Doris Uhlich begibt sich in „Spitze" in die Auseinandersetzung mit den Körperbildern und Illusionswelten des Balletts und den Menschen dahinter.

FAR A DAY CAGE "Pate I - III"

„Der Pate" ist Kult. Doch FAR A DAY CAGE spielt nicht nur die bekanntesten Szenen der Trilogie nach. Auf der Bühne wird gekocht und (mit den Zuschauern) gegessen, Musik gemacht und die Story analysiert. Und ganz nebenbei bekommt man jede Menge Insiderwissen zu den Dreharbeiten - ein vielschichtiger, hypermedialer Ritt durch die Realitätsebenen, der die Mechanismen gesellschaftlicher Physik offenlegt.

Gintersdorfer/Klaßen "Betrügen"

Sie zeigen, was sie haben, werfen Geld in die Menge oder protzen mit teurer Kleidung. „Coupé Décalé" nennt sich diese faszinierende Show, die die ivorischen Einwanderer aus den Banlieues in Pariser Clubs zelebrieren. Gintersdorfer/Klaßen haben das atemberaubende Spiel der Egos auf die Bühne gebracht und zeigen auch die Risse in der vermeintlichen Glitzerwelt und die nüchterne Realität dahinter.

Gintersdorfer/Klaßen "Othello c'est qui"

Shakespeares Othello gilt als die schwarze Theaterfigur - und ist doch vor allem der Blick eines Europäers auf das Fremde. Gintersdorfer/Klaßen stellen dem ein afrikanisches Selbstverständnis entgegen und machen in der Begegnung zweier Kulturen auf der Bühne Gemeinsamkeiten und Trennendes erlebbar. Ein grandioses Spiel um Liebe und Theater und um das, was beginnt, wenn das Spiel aufhört Spiel zu sein.

Gob Squad "Saving the world"

„Wie soll man leben, damit die Welt bestehen bleibt?" - solche und andere, große und kleine Fragen stellten die Performer von Gob Squad einen Tag lang Passanten in Köln vor laufender Kamera. Die Ergebnisse ihrer ungewöhnlichen Beobachtungen, gänzlich unzensiert, kann man nun auf der Leinwand sehen - eine aussagekräftige, widersprüchliche und vor allem humorvolle Bestandsaufnahme des Zeitgeists.

Hans-Werner Kroesinger "Ruanda revisited"

800.000 Männer, Frauen und Kinder wurden 1994 in Ruanda gemordet. Doch: Wie macht man Genozid begreifbar? Der Dokumentartheatermacher Hans-Werner Kroesinger hält sich dabei nicht nur an nackte Zahlen, die Beschreibung des Geschehens und dessen Hintergründe. In einer subversiven Versuchsanordnung zum Thema Gewalt holt er die Zuschauer aus ihrer passiven Rolle. Doch Vorsicht: die moralisch richtige Seite ist dabei nicht garantiert.

Schauplatz International "M*A*S*C*O*T*S*"

Mit unerschütterlicher Fröhlichkeit präsentieren Maskottchen weltweit Großveranstaltungen, Organisationen oder Fußballklubs. Schauplatz International holt diese Winke- und Grinse-Tierchen aus ihrem eindimensionalen Dasein, weckt ihr revolutionäres Bewusstsein und befreit dabei zugleich die Schauspieler aus ihren schweißtreibenden und demütigenden Plüschkostümen - ein ganz anderer Blick hinter die Kulissen.

Special Guest:

Beatrice Fleischlin "my ten favorite ways to undress / a personal hitlist"

Es gibt unzählige Arten, es zu tun. Die meisten tun es täglich und einfach so, andere machen es für Geld: sich ausziehen. Beatrice Fleischlin geht dem Vorgang des «Sich-Ausziehens» auf den Grund. Ein Vorgang, der als eine Art Verkaufsstrategie des Körpers vorgeführt wird oder der die Intimität des Entkleidens betont. In Form einer Hitliste präsentiert Beatrice Fleischlin ihre persönliche Interpretation.

Special Guest:

Das Helmi "Let's talk about sex"

Maike ist 12 und zum ersten Mal verliebt. Bill dagegen hat schon viele geknutscht. Liebe und erster Sex sind große Themen unter Jugendlichen, das Wissen darum ist jedoch eher dürftig. Das Helmi schickt vier pubertierende Schaumstoffpuppen in die Schlacht um Gefühlsverwirrungen und Körper. Mit den Tipps von Lady Chantal und Käpt´n Pimmel sowie zwei nackten Vorturnern wird Aufklärung zum reinsten Kinderspiel.

Special Guest:

Gisèle Vienne "Jerk"

Mehr als zwanzig Jungen hat Dean Corli als Teenager qualvoll getötet. David Brooks, Corlis Komplize, ist der Protagonist in Gisèle Viennes „Jerk". Im Gefängnis sitzend, stellt er die Morde mit Puppen nach. Ein Spiel, das für das Publikum zur emotionalen Achterbahnfahrt wird: Grauen folgt Faszination, Angst folgt Lachen. Und so wird das Unfassbare der Morde in der Fantasie des Zuschauers zum wahren Horrortrip.

Special Guest:

Philippe Quesne "La Mélancolie des Dragons"

Eine Autopanne im Niemandsland. Sechs langhaarige Rocker mit Hund entsteigen einem Kleinwagen mit Wohnanhänger. Aus Plastiktüten, Perücken, Schneespray und einer Seifenblasenmaschine entwickeln sie kleine Installationen und große Wunder. Mit einfachen Mitteln und in offenen Verwandlungen erzählt „La Mélancolie des Dragons" von dem schöpferischen Moment der Krise und der Sehnsucht nach dem Echten und Wunderbaren.

Stadtprojekt:
Gintersdorfer/Klaßen "Petit Bisou"

In der Düsseldorfer Innenstadt kämpfen in, auf und um die als Startsignal für Impulse konzipierte Skulptur "Petit Bisou" vier Performer um ihren Platz und mit den Dingen. Täglich werden neue Materialien an den Start gebracht. Bei den Tänzen auf kiloweise Haargel oder mit einem Grabenstampfer können mutige Passanten einsteigen. Dazu schenkt Nadine Jessen, Erfinderin des Schnapslochs in Wien, harte Getränke aus.

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