Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis für Sibylle Berg

Der Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2016 des Pfalztheaters Kaiserslautern im Auftrag der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur geht an Sibylle Berg. Die Preisjury, bestehend aus Urs Häberli (Vorsitzender), Esther Boldt, Meike Klingenberg, Prof. Dr. Franziska Schößler und Ulrich Khuon, hat sich einhellig für die Preisvergabe entschieden.

Mit Sibylle Berg wird eine Dramatikerin geehrt, die die deutschsprachigen Bühnen seit den 1990er Jahren mit ihren grotesk-sehnsüchtigen Normalitätsspezialisten bereichert. Ihre Figuren leiden in aller Regel an der „blöden romantischen Sehnsucht nach Liebe“, die sie aus einem belanglosen Dasein erretten soll. Berg sammelt die toten Seelen der Jetzt-Zeit ein. Ihre Texte nehmen sich der ganz großen Themen an: Liebe und Tod. Doch das Pathos ist aufgebraucht, vom Banalen aufgezehrt. Sibylle Berg schaut auf die alltäglichen Gemeinheiten des Daseins, auf die schöne neue Arbeitswelt in „Hauptsache Arbeit“ oder das verkümmerte Paarleben in „Frau, Mann, Hund“. Berg spitzt ihre genauen Diagnosen eines verhinderten Lebens meist ins Boshafte und Schrille zu, doch begleitet ihre Figuren immer auch mit Sympathie und stiller Sehnsucht.
In den neueren Stücken „Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“  sowie „Und dann kam Mirna“, das zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen wurde, rennen wütende junge Frauen im Ghetto ihrer Wohnung gegen das enge Korsett atavistischer Geschlechterrollen und ihren eigenen urbanen Lifestyle an. Berg fragt nach den Lebensmöglichkeiten von Frauen und Männern in der schillernden Warenwelt ihrer Gegenwart und nach den Folgen der Verunsicherung, nach Selbst- und Fremdenhass.

Der mit 5.000 Euro dotierte und mit der Uraufführung am Pfalztheater Kaiserslautern verbundene erste Stückepreis geht an Maria Milisavljevic für ihr Stück „Beben“. Darin entwirft die Autorin eine Welt auf der Schwelle: zwischen Gestern und Morgen, zwischen Frieden und Krieg, Virtuellem und Realem. „Beben“ ist eine sprachgewaltige Textfläche, heiter bis burlesk, mit verstörenden, apokalyptischen, dystopischen Momenten.

Der mit 3.000 Euro ausgestattete zweite Stückepreis, der auf Wunsch auch als dreimonatiges Aufenthaltsstipendium am Pfalztheater Kaiserslautern ausgegeben werden kann, wird an Nina Ender für ihr Stück „Polyboskomplex“ verliehen. Mit einem großen Gespür für die Komik wie für die Tragik der Situation entwickelt Ender sprachwitzige Szenen von toller Absurdität, die immer alles zugleich sind: heiter und schmerzlich, witzig, tragisch und zutiefst menschlich, ja existenziell – wird hier doch eigentlich Intimes, Privates ins grelle Licht der Öffentlichkeit gezerrt.

Ein weiterer Stückepreis von 2.000 Euro geht an Stephan Roiss. Ausgangspunkt in seinem „Hektora 4 3 4“ ist eine performative Idee. „Hektora 4 3 4“ wird spielerisch, klug und sprachschön zu einem Stück über das Aufgeben und sich Hingeben, loslassen und gehenlassen, über den Ordnungs- und Kontrollverlust.

Die Preisverleihung findet am 27. November 2016 im Pfalztheater Kaiserslautern statt und wird von Ministerpräsidentin Malu Dreyer vorgenommen.

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