Ivna Zic gewinnt Autorenwettbewerb der Theater St. Gallen und Konstanz

Der Publikumspreis geht an Jean-Michel Räber

Zum ersten Mal haben die Theater St. Gallen und Konstanz gemeinsam einen Autorenwettbewerb ausgetragen. Hervorgegangen aus den St. Galler Autorentagen waren diesmal nicht mehr fertige Stücke gefragt, sondern Ideen, Konzepte und ein Gefühl für Sprache.

Mit einem Exposé und einer zehnseitigen Szene konnten sich Autorinnen und Autoren an dem Wettbewerb beteiligen. 140 Stückkonzepte wurden eingesandt, eine Fachjury hat vier davon ausgewählt, die am Donnerstagabend in der Lokremise des Theaters St.Gallen dem Publikum in szenischen Lesungen vorgestellt wurden.

Vier Autoren, vier ganz unterschiedliche Konzepte, vier szenische Lesungen, zwei Preisträger: Das Publikum prämierte den Schweizer Autor Jean-Michel Räber für sein komödiantisches Stück «lucky unlucky», das die Geschichte von einem deutschen Touristenpaar erzählt, das nach einem Bootsunglück ohne Papiere in einem Land in Westafrika festsitzt. Nun sollen sie abgeschoben werden: ausgerechnet in einen Staat, in dem Bürgerkrieg herrscht.  Der Publikumspreis ist mit 2000 CHF dotiert.

Die Fachjury, bestehend aus Christoph Nix, Intendant Theater Konstanz, Stephan Roppel, Direktor Theater an der Winkelwiese, Tim Kramer, Schauspieldirektor Theater St.Gallen, Christopher Schmidt, Theaterkritiker Süddeutsche Zeitung, der Autorin Theresia Walser, sowie den beiden Dramaturgen Karoline Exner und Thomas Spieckermann entschied sich für den Text «Leben wollen. Zusammen» der jungen Kroatin Ivna Zic. Die Autorin, die in Basel und Zürich aufgewachsen ist und derzeit an der Theaterakademie Hamburg Regie studiert, erzählt in ihren Szenen Geschichten von Menschen, die in einem Haus wohnen, einerseits viel voneinander wissen, sich andererseits aber überhaupt nicht kennen. Durch den tragischen Tod von Wickert kommen die Bewohner zusammen. Mit leichter Hand und wenigen Federstrichen, so betonte Laudator Christopher Schmidt, sei es Ivna Zic gelungen, die unterschiedlichen Figuren zu zeichnen.  Damit mache sie neugierig auf das gesamte Stück.

Mit dem Hauptpreis geht eine Anbindung der Autorin an die Theater St. Gallen und Konstanz einher, die sich mit der Preisvergabe das Recht zur Uraufführung sichern. Ivna Zic erhält nicht nur den mit 10.000 CHF dotierten Hauptpreis sondern zusätzlich ein dreimonatiges Stipendium im Gegenwert von 10.000 CHF, das ihren Aufenthalt vor Ort finanziert und sie in den praktischen Theaterbetrieb einbindet. Betreut von den Dramaturgen und nah an der Theaterpraxis kann Ivna Zic nun ihren Text ausformulieren und ihn während der Proben zur Uraufführung am Theater Konstanz im Jahr 2012 in der Praxis überprüfen. Die Produktion wird als Gastspiel im Mai 2012 auch in St. Gallen zu sehen sein.

Ivna Zic:
Geboren 1986 in Zagreb/Kroatien, aufgewachsen in Basel und Zürich. Nach Regiehospitanzen und -assistenzen am Schauspielhaus Zürich studiert sie 2006 bis 2008 angewandte Theaterwissenschaften in Giessen. 2008 bis 2011 absolviert sie ihr Regiestudium an der Theaterakademie Hamburg, das sie mit einer Inszenierung von Ivana Sajkos Roman „Rio Bar“ auf Kampnagel abschliesst. Seit 2011 ist sie Teilnehmerin des Lehrgangs FORUM Text von uniT in Graz. In der Spielzeit 2007/2008 nimmt sie am Autoren-Förderprogramm Dramenprozessor in Zürich teil. In diesem Rahmen schreibt sie das Stück „Abkommen“, das 2009 am Theater Winkelwiese uraufgeführt (Regie: Gian Manuel Rau) und 2009 zum World Interplay Festival nach Cairns/Australien eingeladen wird.

Jean-Michel Räber:
Geboren 1959 in Zürich, zweisprachig aufgewachsen, begleitete seinen Vater schon als Kind auf  Theatertourneen. Als Erwachsener verschlug es ihn als Erstes ans Kinder- und Jugendtheater Esslingen. Danach studierte er Schauspiel an der Scuola die Teatro di Bologna. Von Italien zog er nach Mexiko, kam mit gebrochenem Herzen zurück und arbeitete flugs darauf als Schauspieler in Essen an der Ruhr, in Göttingen, Heidelberg und Ulm. Seit 1991 lebt er als freischaffender Schauspieler und Autor von Theaterstücken und Radiohörspielen in Heidelberg.

Weitere Informationen bei
Brigitte Herrmann
Öffentlichkeitsarbeit Konzert und Theater St.Gallen
Museumstrasse 2
9004 St.Gallen
T 071 242 05 13
b.herrmann@theatersg.ch

Foto: Ivna Zic

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