Intendanten-Brief an Tim Renner zur Volksbühne

Die Intendanten Joachim Lux (Thalia Theater Hamburg), Ulrich Khuon (Deutsches Theater Berlin) und Martin Kušej (Residenztheater München) schalten sich mit einem Offenen Brief vom 19. April an den Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner in die Diskussion um die Volksbühnen-Intendanz ein:

„Sehr geehrter Staatssekretär für Kultur, sehr geehrter Herr Renner,

Die Gesellschaft ist in Bewegung, die Städte sind in Bewegung, und die Künste sind es Gottseidank auch. Die Bewegung aber, die Sie als Verantwortlicher Politiker derzeit der Berliner Kultur verordnen möchten, bewirkt Zerstörung. Denn sie ist irreversibel.

Man kann und muss selbstverständlich über alles diskutieren dürfen, und also auch über die Frage, ob es richtig ist, nach dem Schillertheater und der ehemaligen Volksbühne West nun mit der Volksbühne Ost auch noch ein drittes großes Berliner Theater als Ensemble-, Literatur- und Repertoiretheater abzuwickeln. Allerdings sollten solche gravierenden kulturpolitischen Entscheidungen auf der Basis einer breiten öffentlichen Debatte fallen und nicht handstreichartig in den Hinterzimmern der Politik. Dazu ist die Überlegung, die Volksbühne ihrer bisherigen Zweckbestimmung zu entziehen und sie zu einem freien Produktionshaus zu machen, kulturpolitisch zu gravierend. Sie liegt, höflich ausgedrückt, nicht auf der Hand.

Der Vorgang ist kulturpolitisch besonders erschütternd, weil die Volksbühne kein maroder Sauhaufen ist. Im Gegenteil: Sie ist eines der besten Theater Deutschlands und steht national wie international hervorragend da. Es gibt also - außer für einen neuen Kulturstaatssekretär - gar keinen Handlungsbedarf.

Berlin kann sich glücklich schätzen. Nirgends auf der Welt gibt es ein Theater wie die Volksbühne. Sie ist einmalig und interpretiert den Anspruch des Literatur- Ensemble- und Repertoiretheater auf besonders aufregende und avantgardistische Weise. Sie aber wollen einen großen Künstler, Regisseur und Theaterleiter ohne jede Not entlassen. Damit nehmen Sie Berlin das, was der Politik doch immer so wichtig ist: "ein Alleinstellungsmerkmal". Berlin braucht keinen Aufbruch in die Zukunft, der mit der Abrissbirne daherkommt. Berlin braucht Frank Castorf und sein Künstlerkollektiv.“

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