Statement von Martin Kušej zur Baal-Debatte

Der Intendant des Münchner Residenztheaters äußert sich im Vorfeld zur vorläufig letzten Aufführung des von den Brecht-Erben gestoppten Castorf-Baal beim Berliner Theatertreffen zur Unmöglichkeit einer Inszenierungs-Umarbeitung.

Martin Kušejs Statement vom 17. April:

„Nach dem Vergleich zwischen dem Residenztheater und dem Suhrkamp Verlag, der am 18. Februar 2015 vor dem Landgericht München geschlossen wurde, waren dem Residenztheater noch zwei Aufführungen der ‚Baal‘-Inszenierung von Frank Castorf gestattet. Am 17. Mai 2015 wird diese Inszenierung beim Theatertreffen in Berlin nun zum letzten Mal zu sehen sein.

Das kunstfeindliche Einschreiten der Rechteinhaber gegen Frank Castorfs Inszenierung hat uns gezwungen, in den letzten Wochen gemeinsam mit dem Regisseur intensiv über diverse Möglichkeiten nachzudenken, diese Inszenierung grundlegend zu verändern und damit zu verhindern, dass dieser grandiose Abend nicht mehr gezeigt werden kann. Dabei hat sich für uns bestätigt, was wir immer wussten: Dieser Abend ist formal und inhaltlich eine radikale Interpretation von Brechts Stück. Ohne fundamentale künstlerische Einbußen ist weder die vom Verlag geforderte ‚Werkeinheit‘ wiederherzustellen, noch eine Interpretation des Stücks unter Ausschluss desselben sinnvoll denkbar. Es zeigt sich also, was von Anfang an zu befürchten stand – das im Vergleich zu den von Bertolt Brecht geschriebenen ‚Baal‘-Texten ungleich flüchtigere, fragilere und damit schutzbedürftigere Bühnenkunstwerk hat die Engherzigkeit und den Kleinmut der Erbin und ihrer Vertreter nicht überlebt. Wir müssen feststellen, dass es nicht gelungen ist, Brechts Werk vor seinen Verwaltern zu schützen und einer lebendigen künstlerischen Auseinandersetzung zu erhalten. Der Schaden für den Autor, seinen Text und das Theater könnte größer nicht sein.

Da wir immer wieder gefragt werden – selbstverständlich und juristisch einwandfrei werden die vollen Tantiemen der ‚Baal‘-Vorstellungen von Erbin und Verlag ‚hingenommen‘, wie der vorsitzende Richter im Prozess formulierte.“

Kommentar hinzufügen

Meistgelesene Beiträge

Alle

auf theaterderzeit.de

Brechts Galilei

1 1938 vollendet Brecht in Skovsbostrand im dänischen Exil die erste Fassung seines…

Theater-News

Alle

auf theaterderzeit.de

Neuerscheinungen

Cover Scène 20

Scène 20
Neue französische Theaterstücke

Print € 22,00

Alle

Bestseller

Alle

Sonderangebote

Cover Neu:Markt

Neu:Markt
Arbeitsbuch zum Theater Neumarkt Zürich

- 83%

Print € 3,00 € 18,00

Alle

Autorinnen und Autoren des Verlags

A - Z

Bild von Heiner Goebbels

Heiner Goebbels

Bild von Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Bild von Hans-Thies Lehmann

Hans-Thies Lehmann

Bild von Michael Schindhelm

Michael Schindhelm

Bild von Ralph Hammerthaler

Ralph Hammerthaler

Bild von Bernd Stegemann

Bernd Stegemann

Bild von Milo Rau

Milo Rau

Bild von Etel Adnan

Etel Adnan

Bild von Sasha Marianna Salzmann

Sasha Marianna Salzmann

Bild von Kathrin Röggla

Kathrin Röggla

Bild von Lutz Hübner

Lutz Hübner

Bild von Gunnar Decker

Gunnar Decker

Bild von Dirk Baecker

Dirk Baecker

Bild von Nis-Momme Stockmann

Nis-Momme Stockmann

Bild von Joachim Fiebach

Joachim Fiebach

Bild von Friedrich Dieckmann

Friedrich Dieckmann

Bild von Falk Richter

Falk Richter

Bild von Wolfgang Engler

Wolfgang Engler