Statement von Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp

Das Programm der Ruhrtriennale möchte sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung in jeder Form richten und komplexe Narrative erzählen. Mir ist es wichtig, andere Perspektiven als unsere westlichen zu eröffnen und damit den Kontext unseres internationalen Programmes ernst zu nehmen. Ich möchte nicht Teil einer Kampagne und schon gar nicht Geisel einer Kampagne sein.

Zur Zeit werden das Programm der Ruhrtriennale und die Künstlerinnen und Künstler dieses Programmes von zwei Kampagnen unter Druck gesetzt: Die eine sagt: Künstlerinnen und Künstler, die Organisationen unterstützen, die sich gegen die derzeitige Politik der Regierung des israelischen Staates wenden und für die Rechte der Palästinenser eintreten, sind automatisch antisemitisch. Die zweite Kampagne ist die BDS-Kampagne, die sagt: Künstlerinnen und Künstler, die nicht die derzeitige Regierung des Staates Israel boykottieren, stehen automatisch im Verdacht, rassistisch bzw. Gegner der Palästinenser zu sein. Ich teile keine der verflachenden, verkürzenden Positionen dieser beiden Kampagnen. Ich möchte mir die Haltung herausnehmen dürfen, eine Band wie die Young Fathers einzuladen wegen ihrer Musik und ihrer Texte und trotzdem persönlich die Boykottstrategie des BDS komplett abzulehnen. Natürlich ist es als Deutsche für mich schwierig, mit einer Bewegung in Zusammenhang gebracht zu werden, die Israel boykottiert, aber ich habe ja auch die Young Fathers eingeladen und nicht den BDS. Die Young Fathers haben in vielen Interviews glaubhaft gemacht, dass sie Antisemitismus in jeder Form ablehnen. Nach dem Eindruck vieler Gespräche und Reflektionen der letzten Tage möchte ich meine Haltung korrigieren: Ich möchte die Young Fathers erneut zu dem Konzert in Bochum am 18. August 2018 einladen, obwohl ich ihre Haltung zum BDS nicht teile. Ich bin der Meinung, dass wir die unterschiedlichen Perspektiven und Narrative zulassen müssen, da diese Offenheit das dramaturgische Credo unseres Programmes ist. Ich muss deshalb die Freiheit der Kunst verteidigen und möchte unter keinen Umständen, auch nicht indirekt, Zensur ausüben.

Ich möchte noch einmal betonen, dass aus meiner Sicht die Kritik an der derzeitigen Politik der Regierung des Staates Israel nicht automatisch antisemitisch ist. Keine Künstlerin und kein Künstler des diesjährigen Programmes der Ruhrtriennale ist antisemitisch oder rassistisch. Persönlich lehne ich Boykott im Zusammenhang mit Israel, aber auch in anderen Zusammenhängen und speziell im Bereich der Kunst ab. Künstlerinnen und Künstler sind keine Repräsentation von Nationen oder ideologischen Diskursen.

Ich möchte aber nicht, dass sich Künstlerinnen und Künstler für ihre Haltungen zensiert, belehrt oder ausgeschlossen fühlen. Es steht jeder Künstlerin und jedem Künstler frei, eine Position zu beziehen, solange diese Position nicht antisemitisch, rassistisch oder ausgrenzend ist. Ich möchte über das Thema Boykott, Freiheit der Kunst und die Unterschiede der Perspektiven eine öffentliche Veranstaltung initiieren, deren Ort, Zeit und Durchführung wir noch bekanntgeben. Vielleicht könnte eine solche Veranstaltung im Zusammenhang mit dem Konzert stattfinden und wünschenswerterweise könnte die Band ihre Haltung dort selbst vertreten.

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