Ehemaliger Bayreuther Festspielleiter Wolfgang Wagner gestorben

Heubisch würdigt ihn als «einzigartige Musiktheaterlegende»

Wolfgang Wagner ist tot. Der frühere Leiter der Bayreuther Festspiele starb am Sonntag im Alter von 90 Jahren in Bayreuth, wie die Bayreuther Festspiele auf ihrer Internetseite bestätigten.

Wagner habe sein ganzes Leben dem Erbe seines Großvaters, des Komponisten Richard Wagner gewidmet, hieß es dort. Er habe mehr als ein halbes Jahrhundert lang die Geschicke der Bayreuther Festspiele gelenkt und gehe somit als dienstältester Intendant der Welt in die Geschichte ein.

Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) würdigte Wagner als «einzigartige Musiktheaterlegende».

Wolfgang Wagner hatte die Bayreuther Festspiele ab 1951 geleitet; zunächst mit seinem Bruder Wieland, nach dessen Tod 1966 als Alleinherrscher. Künstlerische Akzente setzte er vor allem durch Dirigenten und Gastregisseure. So verpflichtete er Dirigenten wie Daniel Barenboim, James Levine, Pierre Boulez und Christian Thielemann und holte provokante Regisseure wie Götz Friedrich, Heiner Müller, Christoph Schlingensief und Patrice Chereau auf den Grünen Hügel.

Im Kampf um seine Nachfolge in der Festspielleitung favorisierte Wagner zunächst seine zweite Frau Gudrun und die gemeinsame Tochter Katharina als Erben. Doch der Stiftungsrat der Festspiele wählte 2001 seine Tochter aus erster Ehe, Eva Wagner-Pasquier. Vater Wolfgang verweigerte daraufhin seinen Rücktritt. Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau Gudrun bewarben sich die Halbschwestern Katharina und Eva schließlich gemeinsam um die Nachfolge ihres Vaters. Nach ihrer Wahl trat er im Sommer 2008 in den Ruhestand.

Kunstminister Heubisch nannte Wagner «die letzte große Gründerfigur Nachkriegsdeutschlands». Sein Tod sei ein Verlust, der weit über Bayreuth und Bayern hinausreiche und die gesamte Musikwelt treffe. «Es ist sein Verdienst, dass der Nachlass eines der größten Komponisten aller Zeiten für die Nachwelt bewahrt wird», sagte Heubisch.

Der Vorsitzende der Richard-Wagner-Stiftung und des Verwaltungsrates der Bayreuther Festspiele, Toni Schmid, sagte über den Verstorbenen: «Seine Energie, seine Kreativität und nicht zuletzt sein Humor haben uns alle immer wieder beeindruckt und nachhaltig geprägt.» Wagner habe das Werk seines Großvaters über mehrere Generationen hinweg bewahrt und weitervermittelt und dabei Bewundernswertes geleistet. «Dankbar verneigen wir uns vor der Person und dem Lebenswerk des Enkels von Richard Wagner», sagte Schmid.

Quellen: www.bayreuther-festspiele.de, Heubisch und Schmid in
Mitteilungen)

Von Malte Werner
ddp/wem/ple

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