Gert Voss am 13. Juli in Wien gestorben

Der Kammerschauspieler Gert Voss war Ehrenmitglied des Burgtheaters und Träger zahlreicher Auszeichnungen wie dem Gertrud Eysoldt Ring 1988, der Kainz Medaille 1988, dem Fritz Kortner Preis 1992, dem Nestroy Preis 2000.

Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes I. Klasse, des Goldenen Ehrenzeichens der Stadt Wien und des Goldenen Verdienstzeichens der Stadt Salzburg.

1995 kürte ihn die „Times“ zum besten Schauspieler Europas. 2012 ehrte ihn die Konrad Adenauer-Stiftung mit einer Hommage als einen der bedeutendsten Schauspieler unserer Zeit.

Das Burgtheater ist in tiefer Trauer über den Verlust dieses in der europäischen Theaterwelt einzigartigen Schauspielers und großen Menschen.

Gert Voss, geboren am 10. Oktober 1941 in Shanghai, verbrachte seine Kindheit und Jugend am Bodensee und studierte Germanistik und Anglistik. Er nahm privaten Schauspielunterricht bei Ellen Mahlke von 1964 bis 1966, darauf folgten erste Engagements in Konstanz, Braunschweig (Staatstheater) und München (Residenztheater) und bei Hans-Peter Doll in Stuttgart.

Mit Claus Peymann wechselte er nach Bochum und wurde mit seiner Rolle des Hermann in der „Hermannsschlacht“ von Heinrich von Kleist zum 20. Berliner Theatertreffen 1983 eingeladen. 1986 wechselte Voss mit Peymann ans Burgtheater in Wien und wurde im selben Jahr als Richard III. gefeiert. Die Inszenierung wurde 1987 zum Berliner Theatertreffen eingeladen, gemeinsam mit Peymanns Inszenierung von Thomas Bernhards "Ritter Dene Voss" in welchem Gert Voss sogar im Stücktitel vorkommt. Er war Peymanns "Macbeth" und Prospero im "Sturm".

Vom zweijährigen Intermezzo 1994-96 im Berliner Ensemble und an der Schaubühne Berlin abgesehen, gehört Voss seither dem Ensemble des Burgtheaters an. Enge künstlerische Zusammenarbeit verband ihn mit Peter Zadek (John Webster, "Die Herzogin von Malfi"am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Burgtheater Shakespeare, "Der Kaufmann von Venedig", Tschechow, "Ivanov", Ibsen, „Rosmersholm", Strindberg, "Totentanz", Marlowe, "Der Jude von Malta) und George Tabori, der mit ihm in der Titelrolle Shakespeares "Othello" inszenierte und für ihn die Stücke "Requiem für einen Spion", "Goldberg Variationen" und "Die Ballade vom Wiener Schnitzel" schrieb.

Zusammenarbeit mit Luc Bondy an der Schaubühne Berlin (Sascha Guitry, "Der Illusionist"), Theater an der Josefstadt Wien (Horvath, "Figaro lässt sich scheiden"), am Burgtheater und Akademietheater Wien (Tschechow, "Die Möwe", Shakespeare, "König Lear"); mit Thomas Langhoff am Burgtheater (Bernhard, "Elisabeth II.“ und Schiller, "Wallenstein"), mit Andrea Breth am Burgtheater (T. Williams, "Die Katze auf dem heißen Blechdach"), mit Thomas Ostermeier am Akademietheater Wien (Ibsen, "Baumeister Solness") und bei den Salzburger Festspielen (Shakespeare, „Maß für Maß“).

Unter der Direktion von Matthias Hartmann spielte er in seinen Inszenierungen den Mephisto in Goethes „Faust“ und den Professor in „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow. Seit der Premiere von „Einfach kompliziert“ von Thomas Bernhard im Akademietheater in der Regie von Claus Peymann 2011 spielte Gert Voss auch regelmäßig in Berlin. Zuletzt war er 2013 im Akademietheater in Luc Bondys Inszenierung der Orgon in Molières „Tartuffe“, eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen.

Von seinen verschiedenen Gastauftritten, u.a. in Köln und Berlin, ist die Titelrolle im „Jedermann“ bei den Festspielen in Salzburg hervorzuheben, die er ab 1995 vier Sommer lang spielte.

2011 veröffentlichte er seine Autobiografie „Ich bin kein Papagei“: Eine Theaterreise (Styria Premium, Wien).

Im Mai stand Gert Voss zuletzt anlässlich des 100. Geburtstages von Georges Tabori gemeinsam mit Ignaz Kirchner, eingerichtet von seiner Frau, der Dramaturgin Ursula Voss, auf der Bühne des Akademietheaters. Der Abend hätte im September wiederholt werden sollen. Gert Voss verstarb am Sonntag, den 13. Juli 2014, nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 72 Jahren, in Wien.

Karin Bergmann zum Tod von Gert Voss:

"Gert Voss eroberte vor 28 Jahren mit dem Griff nach der Krone als RICHARD III. die Burg und aus dieser Eroberung wurde sofort eine Leidenschaft, eine Leidenschaft zwischen dem Theaterkönig und dem Wiener Publikum. In den folgenden Jahrzehnten trug Gert Voss diese Krone immer, egal ob er Könige oder Bettler, Shakespeare oder Beckett, Bernhard oder Handke, Tschechow oder Tabori spielte. Der Spieler-Titan war im Theaterolymp angekommen. Mit Gert Voss verliert das Burgtheater einen virtuosen Charakterdarsteller mit phänomenaler Strahlkraft."

Quelle: PM Burgtheater Wien

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