Abschied

Ernst Schumacher ist tot

Am 7. Juni starb der Theaterwissenschaftler und Kritiker Ernst Schumacher im Alter von 90 Jahren in seinem Haus am See in Schwerin bei Teupitz.

Geboren wurde Ernst Schumacher am 12. September 1921 in dem oberbayerischen Dorf Urspring am Lech, in einem katholisch geprägten, bäuerlich einfachen Elternhaus. Als nicht kriegsdiensttauglich ausgemustert, begann er noch während des Zweiten Weltkrieges in München Germanistik, Altphilologie und Kunstwissenschaften zu studieren, promovierte dann aber - ein politisches Zeichen - in der damaligen DDR, in Leipzig bei Hans Mayer und Ernst Bloch mit einer Dissertation über die frühen Stücke Brechts.

1961, nach dem Mauerbau, ging Ernst Schumacher in die Richtung, aus der Hunderttausende kamen - er übersiedelte als damals 40-Jähriger endgültig in die DDR und wurde dort in den folgenden Jahrzehnten zu einem der einflussreichen Publizisten, Kritiker und Theaterwissenschaftler.

Nach 1961 war Ernst Schumacher zunächst vor allem als politischer Publizist tätig, dann zunehmend auch als Feuilleton-Autor, als Brechtforscher, Auslandskorrespondent der „Deutschen Woche" und als Rundfunkjournalist zwischen München und Ostberlin. Seine Arbeiten über Bertolt Brecht wurden nicht nur in der DDR als Standardwerke anerkannt. Seine Dissertation dokumentiert einen der frühesten Belege der akademischen bzw. theoretischen Auseinandersetzung mit dem Werk Brechts.

Theatergeschichte hat Ernst Schumacher daneben vor allem aber auch als Theaterkritiker geschrieben, seit 1964 vor allem bei der „Berliner Zeitung". Sein Credo galt vor allem jenem Theatermodell, das sich im Sinne Brechts als politisch verstand und auf die Veränderung aller Verhältnisse zielte.

Am 12. September letzten Jahres nahm Ernst Schumacher im Berliner Ensemble im Rahmen einer offiziellen Veranstaltung die Wünsche zu seinem 90. Geburtstag entgegen. Kurz zuvor hatte er auf die Einladung von Theater der Zeit hin in einem Text Frank Castorf zu dessen 60. Geburtstag gratuliert - „zu meinem eigenen Erstaunen", wie er damals schrieb. „Erstaunen deshalb, weil ich kurz vor meinem 90. Geburtstag dem Tod nochmals von der Schippe gehüpft bin."

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