Börgerding sieht trotz Spar-Etats «große Chancen» für Bremer Theater

Neuer Intendant setzt auf zeitgenössische Stücke

Der designierte Generalintendant des Bremer Theaters, Michael Börgerding, sieht für das Vier-Sparten-Haus auch mit dem vorhandenen Spar-Etat «große Chancen». Er wolle zusammen mit den Kollegen ein Theater erfinden, das eines «für die Stadt ist, für alle, das sich öffnet», sagte Börgerding am Donnerstag bei seiner Vorstellung in Bremen.

Der jährliche Etat des Bremer Theaters liegt bei rund 32 Millionen Euro. «Das Geld ist wenig im Verhältnis zur Größe der Stadt», räumte Börgerding ein, der seit fünf Jahren die Theaterakademie in Hamburg leitet und dort Künstler ausbildet. Er habe «großen Respekt» vor der Aufgabe, die auf ihn zukomme.

Börgerding wird zum Beginn der Spielzeit 2012/13 die Intendanz in Bremen übernehmen. Eine Vorbereitungszeit von zwei Jahren sei üblich, sagte Börgerding, der in der kommenden Woche seinen Fünf-Jahres-Vertrag unterschreiben wird. Das Haus wird bis dahin von einem fünfköpfigen Team, zu dem auch die künstlerischen Leiter der vier Sparten gehören, geführt. Das Bremer Theater hatte unter der dreijährigen Intendanz von Hans-Joachim Frey allein in der Spielzeit 2009/2010 nach Angaben des Kulturressorts ein Defizit von 2,5 Millionen Euro eingefahren. Der Vertrag mit Frey war vorzeitig aufgelöst worden.

Staatsrat Dieter Mützelburg, der in der Intendanten-Findungskommission saß, sagte, die vorherige Geschäftsleitung sei «manchmal sehr großzügig» mit dem Etat umgegangen. Börgerding kenne die finanziellen Rahmenbedingungen. Der Jahresetat werde wegen der Schuldenbremse des Landes Bremen auch künftig nicht erhöht werden. Es habe neben Börgerding andere Bewerber gegeben, die sich auf den geringen Etat nicht einlassen wollten.

Börgerding, der 1960 im niedersächsischen Lohne geboren wurde, will in seiner Amtszeit vor allem auf das zeitgenössische Theater setzen. Aber auch Klassiker würden zur Aufführung kommen. Bei jedem klassischen Stoff müsse jedoch ein aktueller Bezug hergestellt werden. Stücke müssten nicht so gezeigt werden, wie sie ursprünglich mal vorgesehen waren.

«Theater ist kein Museum», betonte er. Er hoffe auf Erfolge, diese könnten aber «nicht am Reißbrett« geplant werden. Bei seiner Arbeit setze er mehr auf das feste Ensemble, weniger auf den »durchreisenden Jungregisseur«. Sein Ehrgeiz sei es, auch spartenübergreifende Projekte zu entwickeln. Zudem wolle er auf die freien Theatergruppen in Bremen zugehen. »Ich möchte mich nicht absetzen und auch nicht in Konkurrenz gehen», sagte er.

Börgerding war Dramaturg und Regisseur am Jungen Theater Göttingen, Dramaturg am Schauspiel Hannover sowie Chefdramaturg und Mitglied der Direktion am Thalia Theater Hamburg, bevor er Direktor der Theaterakademie Hamburg wurde. Er lebt in Bremen.

Von Janet Binder
ddp/jab/nad

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