Bund der Szenografen e.V.

Offener Brief an Intendantinnen und Intendanten

Der Bund der Szenografen e.V. wendet sich in einem offenen Brief an die Intendantinnen und Intendanten und bittet um Unterstützung bezüglich der Umsatzsteuer. Hier der Brief in voller Länge:

Sehr geehrte Intendanten und Intendantinnen,

der BUND DER SZENOGRAFEN e.V. bittet Sie, sich für unseren Berufstand der Bühnen- und Kostümbildner und andere künstlerisch und bildnerisch selbstständig arbeitende Bühnenberufe einzusetzen und sich, dem Beispiel Prof. Ulrich Khuons folgend, an die Finanz- und Kultusminister, bzw. Kultursenatoren ihrer Länder zu wenden. Unser Berufstand braucht dringend Ihre Unterstützung, um Rechtssicherheit hinsichtlich der 7%igen Umsatzsteuer zu erwirken!

Sicher ist Ihnen die Dringlichkeit dieser Angelegenheit bewusst: Die im Jahressteuergesetzes 2013 erfreulicherweise erwirkte Umsatzsteuerbefreiung für Regisseure und Choreographen, hat absurderweise dazu geführt, dass viele Finanzämter nun bei Bühnen- und Kostümbildnern massiv Nachforderungen zum Teil über 6 Jahre zum vollen 19%iegen Umsatzsteuersatz, verbunden mit 6% Zinsen erheben. Alle Bühnen- und Kostümbildner befinden sich diesbezüglich momentan in einem Zustand vollkommener Rechtsunsicherheit, mehrere Kollegen befinden sich in Prozessen mit ihren Finanzämtern.

Staatsminister Bernd Neumann erklärt in seiner Presseerklärung vom 29.08.2013 dazu:

„Es ist nicht akzeptabel, dass der unter bestimmten Voraussetzungen ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Leistungen von Bühnen- und Kostümbildnern offenbar nicht mehr gewährleistet wird. Die gesetzlichen Voraussetzungen haben sich für diesen Bereich nicht geändert, so dass die zuständigen Finanzbehörden der Länder gehalten sind, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz, wo möglich, anzuwenden. Deshalb habe ich den Bundesminister der Finanzen wie auch die Länder aufgefordert, sich dieses Themas anzunehmen und die durch die unterschiedliche Anwendung der Finanzbehörden ausgelöste Verunsicherung zu beenden."

Ihnen wie uns geht es darum, künstlerische Qualität und Vielfalt an deutschen Theater- und Opernhäusern zu bewahren. Ein Umsatzsteuersatz von 19% für unseren Berufsstand und sich daraus ableitende Nachforderungen, macht eben diese Qualität und Vielfalt unmöglich, sondern bedeutet den Ruin für viele Künstler.

Auch haben Sie als Intendanten und Intendantinnen sicher kein Interesse daran, den Preis für Eintrittskarten anheben zu müssen. Wenn selbständige Künstler Umsatzsteuerbefreiten Theatern den Regelsteuersatz auferlegen müssen, ohne dass diese zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, könnten dieMehrkosten also nur durch erhöhte Subventionen aufgefangen werden, was, wie wir alle wissen, in Zeiten von Subventionskürzungen keine Option ist.

Deshalb bitten wir Sie, um Ihre Unterstützung! Machen Sie den Finanz- und Kultursenatoren Ihrer Länder deutlich, dass Bühnen- und Kostümbildner wertvolle künstlerische Leistungen für die Theater erbringen und dadurch für sie laut Urheberrecht im Regelfall der ermäßigte Steuersatz nach § 12 Abs. 2 Nr. 7c zur Anwendung kommt! Werben Sie darüber hinaus für eine Korrektur der Umsatzsteuerbefreiung für künstlerische Bühnenberufe, denn: ALLE künstlerischen Berufsgruppen müssen in die Befreiung einbezogen werden!

Wir bitten Sie außerdem an Ihren Theatern keine Verträge mit dem, sowohl juristisch als auch steuerrechtlich höchst anzweifelbaren 40% zu 60% Satz abzuschließen. Der Bund der Szenografen hat einen Rechtshilfefond für von Nachforderungszahlungen betroffenen Kollegen eingerichtet, um in einem Fall ein Präzedenzurteil zu erstreiten. Natürlich wären wir aber alle erleichtert, auf politischem Weg eine Lösung herbei zuführen. Der Staatsminister für Kultur und Medien

Bernd Neumann hat sich der Sache persönlich angenommen und will sich für die Bühnen- und Kostümbildner stark machen. Da das Umsatzsteuergesetz jedoch Ländersache ist, müssen wir zusätzlich die Finanz- und Kultursenatoren der Länder mobilisieren. Zu Ihrer Information fügen wir dem Schreiben an Sie den Brief von Prof. Ulrich Khuon, den offenen Brief aller Hochschulprofessoren für Bühnen- und Kostümbild, sowie die Pressemitteilung von Bernd Neumann mit bei.

Der BUND DER SZENOGRAFEN e.V. hat seit dem 07.09.2013 einen neuen Vorstand und ist gerade dabei, sich personell und inhaltlich zu erneuern, weshalb unsere Website zur Zeit nicht auf dem aktuellsten Stand ist. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an: vorstand(at)szenografen-bund.de

Mit freundlichen Grüßen,

Der Vorstand des BUND DER SZENOGRAFEN e.V.

Anja Ackermann, Andreas Auerbach, Anna Eiermann, Sonja Kloevekorn, Jakob Knapp, Till Kuhnert, Alexander Martynow, Cordelia Matthes, Stefan Morgenstern, Alfred Peter, Andrea Riedel, Annette Riedel, Annabel von Berlichingen, Christian Wiehle

Quelle: Bund der Szenografen e.V.

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