Entlassung Sewan Latchinian

Die Dramaturgische Gesellschaft Berlin verfasst offenen Brief

Der Vorsitzende und die Geschäftsführerin der Dramaturgischen Gesellschaft Christian Holtzhauer und Suzanne Jaeschke drücken ihren Protest gegen die Entlassung Sewan Latchinians aus:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte Mitglieder der Bürgerschaft,

mit Bestürzung und Empörung haben wir die fristlose Entlassung des Intendanten des Volkstheaters Rostock zur Kenntnis genommen. Im Namen des Vorstands und der Mitglieder der Dramaturgischen Gesellschaft protestieren wie gegen diesen Schritt aufs Schärfste.

Herr Latchinian wurde von Ihnen berufen, ein Vierspartenhaus zu leiten. Ihre jüngsten Beschlüsse führen zum Verlust von zwei Sparten und zur Amputation des gesamten künstlerischen Betriebs. Damit haben Sie den Auftrag, den Sie Herrn Latchinian selbst erteilt haben, ad absurdum geführt. Es gehört zu den Aufgaben eines Intendanten, sich schützend vor sein Haus und seine Mitarbeiter zu stellen und für den Erhalt aller künstlerischen Ensembles zu kämpfen.

Selbstverständlich ist es das Recht der Träger eines Theaters, über Strukturveränderungen nachzudenken. Die Art und Weise, wie Sie dabei vorgehen, führt jedoch unweigerlich zu einer irreparablen Beschädigung des Volkstheaters Rostock und damit zur Preisgabe einer wichtigen Rostocker Kulturinstitution.

Dem Verfall des Volkstheaters Rostock als eigenständiger Kultureinrichtung mit klar erkennbarem künstlerischen Profil haben Sie mit Ihrer Entscheidung Tür und Tor geöffnet. Wegen lächerlich geringer Einspareffekte – sofern sie denn überhaupt eintreten – opfern Sie ein Stück der kulturellen Identität der Hansestadt Rostock.

Seit der Neubesetzung der Intendanz des Volkstheaters haben Sie die Konzentration auf die wichtigste Aufgabe verhindert: Einen künstlerischen Neustart des Volkstheaters mit dem Ziel, das Theater wieder fest in der Stadt zu verankern. Sewan Latchinian hat im vergangenen Herbst einen beachtlichen Neustart hingelegt und damit die Weichen gestellt, dass Theater in Rostock eine Zukunft hat. Ihre Entscheidung hingegen führt das Rostocker Theater geradewegs in die Bedeutungslosigkeit.

Auf Ihrer gestrigen Sitzung haben Sie sich selbst und der Stadt Rostock ein
Armutszeugnis ausgestellt. Ihre Entscheidung kündet von Ahnungslosigkeit,
Fahrlässigkeit und Ignoranz. Wie soll denn das Theater nach der fristlosen Entlassung des Intendanten verantwortlich geführt werden, wie gedenken Sie den künstlerischen Niedergang des Volkstheaters aufzuhalten?
Wir fordern Sie auf, die Entlassung umgehend zurückzunehmen, sich eindeutig zu ihrem Theater zu bekennen und dem Intendanten für die künstlerische Arbeit und seine kulturpolitischen Aufgaben künftig den Rücken frei zu halten.

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