Hochhuth verlässt Akademie der Künste

Dramatiker Rolf Hochhuth erklärt Austritt in einem Offenen Brief

Im Streit um das Grass-Gedicht hat der Dramatiker Rolf Hochhuth die Akademie der Künste in Berlin türenschlagend verlassen. In einem Offenen Brief mit dem Titel "Ich weigere mich, zwischen Antisemiten zu sitzen", erklärte der 81-Jährige am 6. Mai 2012 seinen Austritt aus der Akademie.


Hochhuth begründete seinen Austritt aus der Akademie damit, er sei in der Diskussion über das israelkritische Grass-Gedicht regelrecht niedergeschrien worden. Die Diskussion am 5. Mai 2012 in der Vollversammlung sei einseitig verlaufen, erklärte Hochhuth.


Hochhuth hatte nach eigenen Angaben verhindern wollen, dass die Diskussion in der Vollversammlung überhaupt stattfindet. Er habe befürchtet, "diese Diskussion verlaufe einseitig zugunsten des Irans und der Palästinenser auf Kosten Israels", heißt es in seiner Erklärung.


Das Gedicht von Grass, so schreibt Hochhuth, hätte "sehr gern - der 1946 in Nürnberg gehängte - Julius Streicher in seinem „Stürmer" gedruckt". Er, Hochhuth, sei bei seinen Fragen ständig unterbrochen worden. Er sei daher "die Türe schlagend" hinausgegangen.


In dem Gedicht "Was gesagt werden muss" hatte der Literaturnobelpreisträger Grass geschrieben, die Atommacht Israel bedrohe den Weltfrieden und könne das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen. Grass hatte für sein Israel-Gedicht scharfe Kritik aus dem In- und Ausland erhalten. Israel erteilte ihm Einreiseverbot. Hochhuth, der das Drama "Der Stellvertreter" über den Vatikan in der NS-Zeit verfasst hat, hatte Grass deshalb bereits angegriffen: "Du bist geblieben, was Du freiwillig geworden bist: der SS-Mann, der das 60 Jahre verschwiegen hat, aber den Bundeskanzler Kohl anpöbelte, weil der Hand in Hand mit einem amerikanischen Präsidenten einen Soldatenfriedhof besuchte, auf dem auch 40 SS-Gefallene liegen", schrieb er in einem Offenen Brief.


Quelle: 3sat / cgh

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