Immer mehr Ausfälle wegen drastischer Szenen in Kölner Oper

Köln - In der Kölner Inszenierung der Oper «Samson et Dalila» häufen sich die Ausfälle wegen der drastischen Kriegs- und Vergewaltigungsszenen. Inzwischen haben 28 von 66 Mitwirkenden des Kölner Opern-Chores erklärt, nicht für die Premiere zur Verfügung zu stehen, wie ein Sprecher der Bühne am Freitag mitteilte.

Die in den Proben erlebten Szenen von brutalstem Missbrauch und Erschießungen hätten die Musiker so stark belastet, dass sie unter psychischen Belastungen und Schlafstörungen litten.

Auch die Sängerin der Titelpartie, die Mezzosopranistin und Kammersängerin Dalia Schaechter, ist aus der Produktion ausgestiegen, zudem mussten zwei weitere führende Solistenpartien neu besetzt werden. Dennoch werde an der Inszenierung und dem Premierentermin 2. Mai festgehalten, betonte der Sprecher weiter.

Regisseur Tilman Knabe hat bereits mehrfach mit der Interpretation von Gewalt auf der Bühne für Aufsehen gesorgt. Er hat die biblische Geschichte von Samson und Dalila im Gazastreifen in Palästina angesiedelt. Samson, der Hebräer, gilt als unbesiegbar, Dalila, die Philisterin, wirkt wegen ihrer Schönheit auf Männer unwiderstehlich. Im Kampf um die Vorherrschaft der beiden Völker und ihrer Religionen gelingt es Dalila, Samson zu verführen, wodurch er seine übermenschliche Kraft verliert. Am Ende erfleht Samson einmal noch seine Stärke zurück und reißt alle mit sich in den Tod.

Der Personalrat der Oper hat die Vorbereitung des Stücks kritisiert. So seien die Mitwirkenden unter anderem nicht angemessen auf die zentrale Szene der Massenvergewaltigung vorbereitet worden, was dann zu mehreren Zusammenbrüchen und «Krankmeldungen eines bisher ungeahnten Ausmaßes» geführt habe.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp wird der Umgang mit dem Stück von Camille Saint-Saens (1835-1921) auch innerhalb des Ensembles kontrovers diskutiert. Einige Sänger halten ihren Kollegen wegen der Absagen mangelnde Professionalität vor. Bei aller gezeigten Brutalität handele es sich schließlich zweifelsfrei um Fiktion mit Mitteln des Theaters. Die Bühnen haben für den Besuch des Stücks ein Mindestalter von 16 Jahren empfohlen.

ddp/map/han

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