Martin Wuttke wird 50

Am 8. Februar feiert Martin Wuttke, einer der renommiertesten deutschen Schauspieler, seinen 50. Geburtstag. Wir gratulieren!

Der Schweiß glänzt auf dem verzerrten Gesicht. Er bellt, speit, schreit, tobt und kriecht auf allen Vieren über die Bühne. Wenn Wuttke den Arturo Ui spielt, verausgabt er sich bis zur Erschöpfung. Seine Paraderolle in Brechts Stück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ machte ihn 1995 zum Theaterstar. Mehr als 350 Vorstellungen der Inszenierung Heiner Müllers liefen bislang im Berliner Ensemble - nahezu immer vor ausverkauften Haus. Einem breiteren Publikum wurde er vor allem durch seine Rolle im „Tatort“ bekannt: Seit 2008 ermittelt Wuttke als Leipziger Kommissar Keppler an der Seite von Simone Thomalla.

Wuttke, der mit der Schauspielerin Margarita Broich verheiratet ist und zwei Söhne hat, ist ein Vollblutschauspieler. Er mag den Zustand zwischen Arbeitsrausch und Selbstzweifel, liebt die Extreme und lebt sie auf der Bühne wie kaum ein anderer aus. Vor sieben Jahren, als das BE den Arturo Ui in Japan zeigte, brach er sich bei einer Probe den Finger. Trotz großer Schmerzen spielte er in Tokio die anstrengende Rolle - mit einer eigens angefertigten Aluminiumschiene. Das japanische Publikum jubelte ihm dafür zu. Mit gebrochenem Arm spielte er kurz darauf bei Dostojewksis „Schuld und Sühne“ bei den Wiener Festwochen. „Ich hätte mich vom Arzt krankschreiben lassen können. Aber das Gnadenlose hat auch seinen Reiz“, sagte Wuttke der Wiener Zeitung „Die Presse“.

Begeistert von Wuttke ist auch US-Regisseur Quentin Tarantino. Für seinen Film „Inglourious Basterds“ aus dem Jahr 2009 setzte er Wuttke als Adolf Hitler ein. Tarantino sei von Wuttkes Hitler-Karikatur in „Arturo Ui“ so begeistert gewesen, dass er den Schauspieler unbedingt in seinem Film haben wollte, hieß es. Zuvor hatte Wuttke bereits mit Filmregisseuren wie Volker Schlöndorff in „Die Stille nach dem Schuss“ und Margarethe von Trotta in „Rosenstraße“ zusammengearbeitet. Besonders fasziniert ist Wuttke von der Vorstellung, dass ein Film, der in 20 Tagen gedreht sei, von mehreren Millionen Menschen gesehen werde: „Das sind mehr Menschen, als die, vor denen ich im Theater in 20 Jahren rumgehampelt habe.“

Wuttke wurde am 8. Februar 1962 in Gelsenkirchen geboren. Mit 16 flog er von der Schule, reiste durch die Welt und landete später eher zufällig auf einer Schauspielschule in Bochum. Ein erstes Engagement erhielt er 1984 am Schauspiel in Frankfurt am Main. Danach spielte er unter anderem am Hamburger Thalia Theater. 1994 folgte der Wechsel ans BE. Bereits ein Jahr später hatte er seine Paraderolle in dem Brecht-Stück, wurde dafür prompt zum Schauspieler des Jahres gewählt. Seit 1999 spielt Wuttke, der in seiner Freizeit lieber ins Kino als ins Theater geht, häufig an der Berliner Volksbühne. Er begeisterte in Frank Castorfs Dostojewski-Inszenierungen. 2003 wurde er erneut zum Schauspieler des Jahres gewählt. Seit 2009 ist er auch am Wiener Burgtheater Ensemblemitglied. Auch als Regisseur ist er erfolgreich, inszenierte unter anderem ein Stück von George Tabori und derzeit an der Wiener Burg Luis Bunuels Filmklassiker „Der Würgeengel“.

Im Moment plant Wuttke, an der Berliner Volksbühne drei Mal hintereinander Titelrollen in Molière-Stücken zu spielen. Den „Eingebildeten Kranken“ inszeniere er selbst - parallel probiere er der „Geizige“ in der Regie von Frank Castorf, sagte er „Die Presse“. Dann komme noch der „Menschenfeind“.

Quelle: dapd

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