Netzwerk zum kulturellen Wiederaufbau baut Kulturbrücken in den Irak

Mit einem Gastspiel der Kölner Oper wird erstmals im Irak eine Opernaufführung realisiert. Die Einladung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ erfolgte im Namen des Irakischen Staatspräsidenten Jalal Talabani durch dessen Stellvertreter Mulla Baxtiar.

Baxtiar hatte auf Einladung des „Netzwerks zum kulturellen Wiederaufbau im Irak“ die Premiere der Inszenierung von Opernchef Uwe Eric Laufenberg in Köln besucht. Er ist überzeugt, dass sie die gesellschaftliche Diskussion im Irak, aber auch den interkulturellen Dialog zwischen Deutschland und dem Irak bereichern wird.

Die Oper wird am 5. und 7. März 2011 im „Kulturpalast“ der Stadt Sulaimania in der Region Kurdistan/ Irak gezeigt. Die Gastspielreise soll nicht in erster Linie eine deutsche Inszenierung „exportieren“, sondern breite Berührungsflächen zwischen den beiden Ländern schaffen. Denn immer noch leidet der Irak unter der Uninformiertheit des Auslands über seine Bemühungen um offenen gesellschaftlichen Dialog und demokratische Stabilisierung. Die Gastspielreise, an der rund 100 Personen teilnehmen, ist ein „ganz außergewöhnliches Ereignis“ (Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters) und zugleich ein Höhepunkt in der Arbeit des „Netzwerks zum kulturellen Wiederaufbau im Irak“.

Das Netzwerk wurde 2006 von europäischen und irakischen Künstlern im Theaterhaus Berlin ins Leben gerufen. Es möchte insbesondere jungen irakischen Künstlern durch Hospitanzen und Arbeitsaufenthalte in Europa sowie durch gemeinsame Projekte in Europa und dem Irak positive Impulse für den Aufbau der kulturellen Infrastruktur in ihrem Heimatland ermöglichen. Die Projekte befördern einen interkulturellen Dialog auf Augenhöhe. Neunzehn Austauschprojekte konnten bisher realisiert werden.

Der irakisch-stämmige Berliner Schauspieler und Regisseur Ihsan Othmann, der in der “Entführung“ den Bassa Selim spielt, und der Leiter des Theaterhauses, Christoff Bleidt, beide Mitinitiatoren des Netzwerks, werden während des zehntägigen Aufenthalts im Irak, gemeinsam mit irakischen sowie mit anderen europäischen Künstlern und Kulturverantwortlichen weitere Austauschprojekte vorbereiten. Dabei werden sie auch Gelegenheit haben, mit dem Staatspräsidenten Jalal Talabani über eine Intensivierung der „Kulturbrücken“ zwischen Europa und dem Irak zu sprechen.

So wird in diesem Jahr unter dem Titel „Bleiben oder Gehen?“ ein gemeinsames Theaterprojekt Berliner und Irakischer Künstler die Aspekte von Emigration und Remigration untersuchen und künstlerisch umsetzen. Diese Inszenierung wird im Oktober 2011 in Bagdad und in Erbil, der Hauptstadt der Region Kurdistan/Irak zu sehen sein, bevor sie in Berlin, Paris und Marokko aufgeführt wird. Für das Projekt, wie auch für die bisherigen Aktivitäten des Netzwerks hat Kulturstaatssekretär André Schmitz die Schirmherrschaft übernommen. Darüber hinaus gibt es weitere Kooperationsprojekte mit Partnern in Frankreich, Marokko, der Türkei und Armenien.

PRODUKTIONSSTANDORT UND NETZWERKPLATTFORM DER FREIEN THEATER- UND TANZSCHAFFENDEN BERLIN. THEATERHAUS BERLIN MITTE | WALLSTRASSE 32 | 10179 BERLIN | 030 280 419 66 | INFO@THBM.DE | WWW.THBM.DE
LEITUNG: CHRISTOFF BLEIDT | PROJEKTBETREUUNG: GABRIELE SCHOHL, HELLA MEWIS | 030 280 932 05. DAS THEATERHAUS IST EIN PROJEKT VON KULTURINITIATIVE FÖRDERBAND GMBH

Erstmals wird in diesem Jahr auch die irakische Schauspielerin Kaval Sdqi zur Teilnahme am „Internationalen Forum“ des Berliner Theatertreffens vorgeschlagen. Sdqi gehört seit 2007 zu den Akteuren des Netzwerks und war in Berlin schon mehrmals als Regisseurin und Darstellerin auf der Bühne zu sehen.

Zu den Kooperationspartnern des Netzwerks gehören auf deutscher Seite neben dem Theaterhaus Berlin und Förderband e.V., Kulturinitiative Berlin, das Internationale Theaterinstitut, die Oper Köln, die Hochschule für Schauspiel „Ernst Busch“ und das Goethe Institut. Bisher konnten die Projekte auf deutscher Seite nur durch das Engagement und die begrenzten Mittel von Vereinen und Einzelpersonen finanziert werden. Zu den französischen Partnern gehört unter anderem die auch in Berlin bekannte Kuratorin Cathérine David. Die irakischen Partner sind neben Künstlerverbänden und Hochschulen die Kulturministerien der Region Kurdistan/Irak und der Republik Irak. Seit 2008 werden die Austauschprojekte durch diese Ministerien finanziell gefördert. Das Gastspiel der Oper Köln wird ausschließlich durch den Irak finanziert.

Weitere Informationen:
http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/2011/02/07/lokalzeit-koeln-operngastspiel.xml
www.kulturaustausch.net
Alle Bilder zum Irak-Gastspiel stehen unter www.operkoeln.com zum Download bereit.

Pressekontakt:
Hella Mewis | Theaterhaus Berlin Mitte | Telefon: 030-280 93 205 | E-Mail: hellamewis@thbm.de

Veranstaltungshinweis:
22. Februar 2011, 19:00 im Tiyatrom, Berlin
„Message From Hell“. Gastspiel einer preisgekrönten Inszenierung von Studierenden der Hochschule der Künste Sulaimania

Foto©: Paul Laclaire

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