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Neustart in die Spielzeit 2010-2011 im Schiller Theater ohne Schlingensief

Jürgen Flimm leitet künftig die Oper, die für die Zeit der Renovierung des maroden Baus eine neue Bleibe im Schiller Theater fand. Zur Eröffnung der Spielzeit am Sonntag (3. Oktober) steht die Uraufführung der Oper "Metanoia" von Jens Joneleit auf dem Spielplan. Als Regisseur war der im August gestorbene Christoph Schlingensief vorgesehen. dapd-Korrespondentin Angelika Rausch sprach mit Flimm über seine Pläne:

dapd: Die neue Saison der Staatsoper im Schiller Theater beginnt mit einer Uraufführung: Jens Joneleit als Komponist, als Regisseur war Christoph Schlingensief geplant und Rene Pollesch liefert den Text. Ein Werk für fünf Gesangssolisten, gemischten Chor, Orchester und Live-Elektronik. Ist das eine deutliche Absage an die anderen beiden Berliner Opernhäuser? Wohin geht die Reise der Staatsoper künftig künstlerisch?

Flimm: Nein, mit den anderen Häusern hat das nichts zu tun. Es kommt von Daniel Barenboim. Der hatte Joneleit kennengelernt und ihn gefragt, ob er nicht mal eine Oper schreiben will. Dann kam Schlingensief ins Spiel, den Barenboim sehr schätzt, und Schlingensiefs Idee war es, Pollesch zu fragen. Wir fangen damit im Schiller Theater eben nicht mit den "Meistersingern", sondern mit dem ganz neuen Stück "Metanoia" an. Das mag ich sehr gerne.

dapd: Nach dem Tod Christoph Schlingensiefs mussten Sie die Entscheidung treffen, ob es auch ohne ihn "seine" Regiearbeit zu sehen gibt.

Flimm: Nach Christophs Tod wurde kein neuer Regisseur verpflichtet, um die Inszenierung von "Metanoia - über das denken hinaus" zu übernehmen. Die Aufführung findet trotzdem statt, dankenswerterweise eingerichtet vom künstlerischen Team der Produktion gemeinsam mit dem Ensemble: Voxi Bärenklau, Daniel Barenboim, Reinhold Braig, Graham Clark, Annette Dasch, Meika Dresenkamp, Olaf Freese, Eberhard Friedrich, Thomas Goerge, Joachim Haas, Carl Hegemann, Gregorio Karman, Aino Laberenz, Anna-Sophie Mahler, Heta Multanen, Anna Prohaska, Alfred Reiter, Daniel Schmutzhard, Katharina Winkler und Martin Wuttke.

ddp: Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man. Für das Schauspiel in Berlin stimmt das sicher, aber auch für die drei Opernhäuser?

Flimm: Wir Intendanten haben untereinander ein sehr gutes Einvernehmen und wollen gemeinsame Sache machen. Wir halten das für völligen Blödsinn, zu sagen, bestimmte Regisseure arbeiten nur an einem bestimmten Haus.

dapd: Nennen Sie uns ein paar Namen von Regisseuren, die künftig den Stil der Staatsoper mitbestimmen werden?

Flimm: Wir reden mit Andrea Breth, mit Claus Guth, Falk Richter, Philipp Stölzl, Krzysztof Warlikowski oder Nicolas Stemann. Auch Achim Freyer und Dmitri Tcherniakov hätten wir gerne wieder hier am Haus.

dapd: Ist man nicht bei drei Opernhäusern in einer Stadt ständig in dem Zwang, sich abgrenzen zu müssen?

Flimm: Das kann man doch nicht. Wir können doch nicht sagen, wir machen keinen Mozart und dafür macht ihr Mozart. Das funktioniert nicht. Wenn so großartige Dirigenten wie Christian Thielemann oder Daniel Barenboim sagen, ich möchte jetzt einen bestimmten Komponisten dirigieren, dann macht man das natürlich. Ich halte dieses Abgrenzen für Quatsch. Die Volksbühne von Frank Castorf und das Deutsche Theater von Ulrich Khuon grenzen sich auch nicht voneinander ab. Man muss aufpassen, dass man nicht in zwanghafte Abgrenzung gerät.

dapd: Wie kann man dann Doubletten an den drei Opern verhindern?

Flimm: Indem man miteinander redet und sich verständigt! Es muss einen freundschaftlichen Austausch geben. Es gibt so viele Opern, die man aufführen kann.

dapd: Wie viel Wagner braucht denn diese Stadt? In dieser Spielzeit gibt es an der Komischen Oper sogar eine Inszenierung von Wagners "Meistersingern".

Flimm: Wir brauchen so viel Wagner in der Stadt, wie Leute Wagner sehen wollen. 2013 schlägt die große Wagner-Welle über Berlin zusammen und das finden wir drei Intendanten sehr spannend. Dann wird es nirgendwo in der Welt so viel tollen Wagner geben wie in Berlin. Man muss aus der Vielfalt der drei Opernhäuser doch etwas machen.

dapd: Gibt es nicht viel zu wenig aktuelle Stoffe auf den Opernbühnen? Müssten die Häuser bei ihren Kompositionsaufträgen nicht mehr darauf achten?

Flimm: Das ist nicht ganz einfach, denn eine Komposition dauert ja meistens mehrere Jahre. Und über einen so langen Zeitraum ein Thema aktuell zu halten, ist schwierig. Ein großes Anliegen ist mir aber, dass die zeitgenössischen Opern auch nach ihrer Uraufführung nachgespielt werden und Eingang ins Repertoire finden.

dapd

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