Rolf Hochhuth plant Marlene-Dietrich-Monolog und Komödie

Der Dramatiker plant auch im fortgeschrittenen Alter weitere Buchprojekte. "Ich würde sehr gerne noch eine Komödie schreiben und vor allen Dingen einen Marlene-Dietrich-Monolog", sagte er in einem dapd-Interview in Berlin kurz vor seinem 80. Geburtstag am Freitag (1. April). Doch zunächst werde am 2. Mai "das dickste Buch meines Lebens mit über 1.600 Seiten" veröffentlicht.

Dieses Buch mit dem Titel "Essayistische Prosa und Gedichte" enthalte neben seinem neuen Drama "Der Fliehende Holländer" auch einen großen Zyklus Libido-Lyrik mit zwei Mal 75 neuen erotischen und pornografischen Gedichten, sagte Hochhuth. Über Marlene Dietrich wolle er schreiben, weil sie nicht in Vergessenheit geraten dürfe. Sie sei einer der größten deutschen Stars überhaupt gewesen.

Seine geplante Komödie solle "Die Nackte von Köpenick" heißen - eine Groteske, die sich in der heutigen Zeit ereignet habe. Sie basiere auf der Tatsache, dass vor einigen Wochen ein profilierter Berliner Fotograf wegen eines sehr gekonnten Aktfotos aus dem Rathaus von Köpenick geschmissen worden sei, wo er eine Ausstellung gehabt habe. "Dieser Rausschmiss ist natürlich nur die Grundlage einer Komödie, die den BRD-Mief drastisch darstellen soll", sagte Hochhuth.

Geburtstag in Moskau

Seinen Geburtstag am 1. April wolle er in Moskau verbringen, wo er aus seinem in Russland erscheinenden Band mit den Stücken "Soldaten" und "Ärztinnen" lesen werde. Ob er da gefeiert werde, wisse er nicht. "Es ist schon Feier genug für einen Autor, wenn er in einer fremden Sprache ein Buch mit eigenen Stücken bekommt", sagte Hochhuth.

Der Dauerstreit mit dem Intendanten des Berliner Ensembles (BE), Claus Peymann, scheint beigelegt zu sein. Peymann habe gesagt, er wolle sein neues Buch im BE mit einer Lesung vorstellen, sagte Hochhuth. Zudem würde er Peymann gerne als Mitglied des Vorstandes in der Ilse-Holzapfel-Stiftung sehen. Diese ist Besitzerin des Theaters am Schiffbauerdamm, dem Peymann als Intendant vorsteht. In den letzten Jahren hatte es zwischen Peymann und Hochhuth um die Nutzung des Theaters immer wieder Streit gegeben.

In die Zukunft blickt Hochhuth pessimistisch: "Es muss zu einer Katastrophe führen, das heißt, zu einer blutigen Revolution mit Mord und Feuer, wenn es mit dem Kapitalismus so weiter geht, dass er keine Gegenkraft hat", sagte er. "Im Augenblick sind wir im Sturmschritt auf dem Weg dahin, dass Banken und Wirtschaft derart die Oberhand bekommen, dass sie nur durch eine Revolution gezähmt werden können - und das wird keine friedliche sein."

B
dapd

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