Schauspielerin Jutta Hoffmann wird 70

Filmmuseum Potsdam widmet ihr eine Ausstellung

Wenn Erfolgsregisseur Quentin Tarantino ("Inglourious Basterds") noch einmal in Babelsberg vorbeikäme, würde Jutta Hoffmann für ihn eine Seiltänzerin spielen. "Ich kann gar nicht auf dem Seil tanzen, aber wer weiß?", sagt die Schauspielerin lachend.

Tatsächlich sind große Wünsche in ihrem Künstlerleben nicht offen geblieben. In der DDR ging sie 1962 ans Theater und bekam parallel ihre erste Filmrolle. In den 70ern spielte sie sich mit Filmen wie "Junge Frau von 1914" und "Lotte in Weimar" in die obere Schauspieler-Liga, für ihre Rolle in "Der Dritte" erhielt sie 1972 den Kritikerpreis Silberner Löwe des Internationalen Filmfestivals Venedig.

Nach ihrer Ausreise in den Westen 1983 feierte sie an den Münchner Kammerspielen und am Hamburger Schauspielhaus Erfolge. Von 1993 bis 2006 lehrte sie als Professorin an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater. Am Donnerstag (3. März) wird Jutta Hoffmann 70.

Das Filmmuseum Potsdam gratuliert ihr ab 10. März mit einer Ausstellung. "Ich habe mir die Exponate gerade alle angesehen und mir gedacht: Allzu viel Hanebüchenes oder Schlechtes habe ich nicht gemacht", sagt sie im dapd-Gespräch. Derzeit ist es, bis auf einige Lesungen, eher still um die Schauspielerin. "Manchmal", sagt sie ohne jede Larmoyanz, "lese ich Drehbücher und meistens gefallen sie mir nicht". Ihr Maßstab für das eigene künstlerische Tun war immer hoch. Mit Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder hätte sie gern gearbeitet. "Aber als ich 1983 nach München kam, war Fassbinder tot."

Volker Schlöndorff, der zweite Große dieser Jahre, "wusste gar nichts über DEFA-Filme", sagt sie. "Da hatte sich das für mich, was das Kino betrifft, quasi erledigt." Konsequenterweise konzentrierte sie sich fortan auf das Theater und drehte TV-Filme. Ein Kulturschock sei der Neuanfang im Westen nicht gewesen. "Mit den Kollegen habe ich mich gut verstanden, aber die Zuschauer und die Welt, in der sie lebten, waren mir schon erstmal fremd." Und: Auch im Kulturbetrieb habe es "ein totales Desinteresse" an dem gegeben, "was wir in der DDR versucht haben".

Hoffmann unterschreibt Biermann-Petition

Die Hoffmann kämpfte sich durch, später traf sie Peter Zadek und ging nach Hamburg. Ein Glücksfall - wie auch die Zusammenarbeit mit Einar Schleef am Deutschen Theater in Berlin. Die Entscheidung, der DDR den Rücken zu kehren, traf sie selbst und doch war sie subtil erzwungen. "Ich hätte schon früher abhauen können, aber in künstlerischer Hinsicht war der Westen für mich lange keine Alternative", gibt sie unumwunden zu. Über einen Wechsel ihrer Lebenswelt dachte sie erst nach, als die Schikanen in der DDR an die Substanz gingen. 1976 unterzeichnete Jutta Hoffmann die sogenannte Biermann-Petition, mit der DDR-Künstler gegen die Ausweisung des Liedermachers Wolf Biermann protestieren.

1977 drehte sie mit Manfred Krug "Das Versteck". Der Kinofilm lag zunächst auf Eis und wurde dann nur in ausgewählten Kinos und vor linientreuem Publikum gezeigt. Den TV-Film "Geschlossene Gesellschaft", in dem die Hoffmann neben Armin Mueller-Stahl eine der Hauptrollen spielte, "versendete" das DDR-Fernsehen im selben Jahr nach offiziellem Programmschluss mitten in der Nacht.

Mindestens ebenso schlimm sind die persönlichen Demütigungen. "Am Theater, wo ich zuvor große Rollen gespielt hatte, bekam ich nur noch Ein-Satz-Auftritte", erinnert sie sich. Filmangebote gab es keine mehr. "Tja, und dann gab es die Möglichkeit, in Salzburg mit Dieter Dorn und dem Ensemble der Münchner Kammerspiele 'Tasso' zu spielen. Da überlegt man dann nicht mehr allzu lang."

Nach 20 Jahren in Hamburg ist Hoffmann inzwischen in die alte Heimat zurückgekehrt. Potsdam sei "wunderbar - bis auf die Hundekacke und den Lkw-Verkehr", sagt sie. Ihren Geburtstag wird sie in der brandenburgischen Hauptstadt feiern. Ihr Motto: "Ich lad mir ein paar Freunde ein und mach mir einen Schlitz ins Kleid."

Von Tamara Bartlitz
dapd

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