Schlingensief: «Jede Woche gibt es einen Zusammenbruch»

Tagebuch einer Krebserkrankung

Hamburg - Der an Lungenkrebs erkrankte Regisseur Christoph Schlingensief erleidet in seiner Therapie immer wieder Rückschläge.

«Jede Woche gibt es einen Zusammenbruch. Da kommen alle Ängste wieder hoch. Als wäre man gefangen. Kein Ausgang, kein Funken Zuversicht. Und diese wahnsinnige Traurigkeit, warum das passieren musste», sagte Schlingensief dem «Stern».

Er habe sich von einem Freund beim Heulen filmen lassen. «Ich wollte wissen, wie es aussieht. Das hilft mir, fast wie eine Therapie.» Die Bilder sind auf einer Leinwand im Hintergrund seiner jüngsten Inszenierung «Mea culpa - eine Readymade-Oper» am Burgtheater in Wien zu sehen.

Während seiner Krise habe ihm die Unterstützung seiner 20 Jahre jüngeren Freundin Aino sehr geholfen. Sie habe alles mitgemacht, «manchmal hat sie mir auch unglaublich den Kopf gewaschen».

Auch der Jubel nach der Premiere von «Mea Culpa» habe ihn gestützt. «Es ist toll, nur in glückliche Gesichter zu gucken. Das gibt Kraft. Man braucht das Gefühl, geliebt und gebraucht zu werden. Dass man rauskommt aus dieser Einsamkeit», sagte der 48-Jährige.

An seine Arbeit in Bayreuth denkt der Regisseur nicht gern zurück. «Natürlich ist Bayreuth nicht schuld an meinem Krebs gewesen», sagte er. «Aber in der Zeit, als er anfing zu wachsen, war mein Immunsystem bestimmt nicht mehr das Allerbeste. Ich hatte mich damals sehr auf diese Arbeit gefreut, aber dann musste ich feststellen, dass Heiner Müller in seinen Berichten über Bayreuth nicht gelogen hatte. Bayreuth war kein Ort der Liebe, sondern des Größenwahns und des Hasses. Diese unglaublichen Schikanen von Gudrun Wagner, der menschenverachtende Ton, die Anhäufung von Gemeinheit - das hat mich sehr stark angegriffen.»

Schlingensief inszenierte für die Bayreuther Festspiele 2004 den «Parsifal». Seine Engagement dort endete 2007.

In seinem am 20. April erscheinenden Buch «So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein! Tagebuch einer Krebserkrankung», thematisiert Schlingensief seine Krankheit. Das Buch erscheint laut Magazin im Verlag Kiepenheuer & Witsch.

ddp

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