Schlingensief soll bei Biennale 2011 neue Kunsterfahrung ermöglichen

Christoph Schlingensief wird mit seiner Gestaltung des Deutschen Pavillons bei der Kunst-Biennale in Venedig 2011 nach Überzeugung der Kuratorin Susanne Gaensheimer eine «neue Kunsterfahrung» möglich machen.

«Ich bin überzeugt davon, dass uns seine Arbeit auf alle Fälle überraschen wird», sagte Gaensheimer am Dienstag in Frankfurt am Main. Die Direktorin des Museums für Moderne Kunst (MMK) wollte ursprünglich gemeinsam mit Schlingensief erste Einblicke in die Gestaltung des Pavillons geben. Doch der Künstler fehlte bei dem Termin aus gesundheitlichen Gründen. Schlingensief leidet seit vier Jahren an Lungenkrebs.

Gaensheimer sagte, sie wisse «noch gar nichts, was Christoph Schlingensief für den Pavillon plant». Sie gehe davon aus, dass der 49 Jahre alte Film-, Theater- und Opernregisseur und Aktionskünstler sich mit der Frage der nationalen Repräsentation auseinandersetzen werde. «Darum kommt man dort nicht herum», sagte Gaensheimer. Der Deutsche Pavillon in Venedig war ein Geschenk Benito Mussolinis an Adolf Hitler Ende der 1930er Jahre.

Schlingensief selbst hatte kurz nach seiner Berufung gesagt: «Die Aufgabe, den Deutschen Pavillon, einen verdächtigen Repräsentationsbau, nicht für repräsentative Zwecke, sondern für künstlerische Zwecke zu benutzen, ist genau das Richtige: eine schwere Last, aber Kunst macht leicht, was sonst schwer ist.» Gaensheimer schwärmte von Schlingensiefs «rückhaltloser Radikalität, auch sich selbst gegenüber». Er befrage sich permanent selbst, hinterfrage Definitionen und wolle Grenzen auflösen.

Schlingensiefs aktuelles Theaterstück «Via Intolleranza II» und sein Operndorf-Projekt im westafrikanischen Burkina Faso hievten seine Selbstreflexionen und Analysen des Deutschseins auf eine «globale, transnationale Ebene», sagte Gaensheimer. In beiden verarbeite Schlingensief «Aspekte, die von zwingender gesellschaftlicher Relevanz sind».

Trotz der Krebserkrankung Schlingensiefs gebe es «keinen Anlass für einen Plan B», falls der Künstler zu schwach sei, um die Arbeit am Deutschen Pavillon auszuführen, sagte Gaensheimer. Er lebe und arbeite seit Jahren mit der Krankheit. ddp/loi/han

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