Sir Patrick Stewart wird 70

Als «Raumschiff Enterprise»-Kapitän Picard wurde er populär und kehrt nun zur Theaterbühne zurück

Ihre Leidenschaft für Tee ist eine Sache, die Patrick Stewart und der von ihm dargestellte «Raumschiff Enterprise«-Kapitän Jean-Luc Picard gemeinsam haben. Eine andere ist ihre Liebe zu William Shakespeare.

Viele Male zitierte Stewart als Picard aus «Hamlet» und «Macbeth», viele Male stand Stewart in Theaterhäusern in England und den USA als «Hamlet» und «Macbeth» auf der Bühne - zu Beginn seiner Schauspielkarriere und auch jetzt wieder.

Nach mehr als 15 Jahren «Star Trek» - der letzte Film mit ihm war 2002 «Star Trek: Nemesis» -, drei «X-Men»-Kinoproduktionen und mehreren Fernsehfilmen, konzentriert sich der Brite seit einigen Jahren wieder vollends auf das Theater. Am Dienstag (13. Juli) wird der Anfang 2010 zum Ritter geschlagene Sir Patrick Stewart 70 Jahre alt.

Sein erster Auftritt, als er vor seinen Klassenkameraden eine Szene aus «Der Kaufmann von Venedig» spielte, wird dann 58 Jahre her sein, sein erstes Engagement bei kleinen Stadttheatergruppen in der englischen Grafschaft West Yorkshire 55 Jahre, der Beginn seines Theaterstudiums in Bristol 53 Jahre. Seine Bühnenkarriere führte ihn nach Manchester, London und auch an den New Yorker Broadway. Bald 30 Jahre war er mit großem Erfolg als Theaterschauspieler unterwegs - 25 Jahre davon als Mitglied der renommierten Royal Shakespeare Company.

Fragt man jedoch nach der Rolle, für die Stewart am bekanntesten ist, wird die Antwort häufig «Captain Picard» lauten. Von 1987 bis 1994 spielte er in der Fernsehserie «Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert» den souveränen, kultivierten, haarlosen Captain. Eine charismatische und unverwechselbare Figur, die Stewart nicht gerade Tür und Tor für andere Rollen öffnete. Im Gegenteil, der Erfolg der «Star Trek»-Filme habe sein eigenes Fortkommen im Filmgeschäft eher etwas behindert, sagte er im Dezember 2009 der britischen Zeitung «The Independent» und erklärte: «Viele Regisseure sagten sich sicher: 'Ich will Jean-Luc Picard nicht in meinem Film haben'.»

Der Preis für die größere Bekannheit war aber auch schon während des Drehs hoch. Denn in mehreren Interviews klagte Stewart - wohl nur halb im Scherz - darüber, dass seine Uniform zu eng gewesen sei. «Die Produzenten wollten einen glatten und faltenlosen Look. Die Uniform war aus der Kunstfaser Lycra und eine Nummer zu klein. Das erzeugte eine schreckliche Spannung in meinem Nacken und Rücken», sagte er beispielsweise der Zeitschrift «Newsweek».

Was ihm seine «Star Trek»-Kollegen aber in jedem Fall beigebracht hätten, sei, lockerer zu werden. «Ich denke, dass ich aus den USA als lustigerer und netterer Mensch zurückgekehrt bin», erzählte er «The Independent». 2004 war das Jahr, in dem er wieder nach England kam - in seine Heimat.

Patrick Stewart stammt aus Mirfield in West Yorkshire, wo er am 13. Juli 1940 als dritter Sohn der Weberin und Textilarbeiterin Gladys Barrowclough und des Sergeant Major der Britischen Armee, Alfred Stewart, geboren wurde. Erst kürzlich hatte Stewart im britischen «Guardian» über seine Kindheit und die Gewalt, die er zu Hause erlebt hat, gesprochen. Darüber, dass sein Vater seine Mutter schlug und er als Kind so gut wie gar nichts dagegen tun konnte. Heute ist Stewart Schirmherr von «Refuge», einer Organisation, die sich um die Opfer häuslicher Gewalt kümmert.

Über Stewarts derzeitiges Privatleben ist nicht viel bekannt. Nach zwei gescheiterten Ehen ist er nach Medienberichten aktuell mit der 31-jährigen Jazz-Sängerin Sunny Ozell zusammen. Die tiefste Freundschaft scheint Stewart aber ohnehin mit Shakespeare zu haben. So sagte er im April einem Reporter des «Telegraph»: «Nachdem ich so viel Zeit mit Shakespeares Welt, Leidenschaften und Ideen verbracht habe, fühlt er sich für mich an wie ein Freund - wie jemand, der gerade aus dem Raum gegangen ist, um noch eine Flasche Wein zu holen.»

Quelle: ddp/jfr/han

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