Studie zur Lage des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland

Der Verband der Kinder- und Jugendtheater in Deutschland (ASSITEJ e.V.) hatte die Studie „Zur Lage des Kinder- und Jugendtheaters in Deutschland“ in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse nun vorliegen. Mit Nachdruck fordert der Verband Investitionen in die Theaterlandschaft. Dr. Thomas Renz, der die Studie durchgeführt hat, stellt die Ergebnisse der umfassenden Studie zu Strukturen, Budgets und Personal der Kinder- und Jugendtheater am Samstag, 21. Oktober 2017 im Rahmen des Nürnberger Festivals „Licht.Blicke“ am Gostner Hoftheater vor. Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Vorsitzender des bundesweiten Netzwerks der darstellenden Künste für junges Publikum, wird außerdem im Gespräch Impulse für die nun anstehende Debatte zur Veränderung der Theaterlandschaft geben. 

Befragt wurden rund 1.000 Theater und Spielstätten in ganz Deutschland. Aus den Antworten der Befragten konnte eine Typologie abgeleitet werden, die zeigt, wer, wo unter welchen räumlichen, finanziellen und personellen Bedingungen Theater, Tanz, Schauspiel, Musiktheater, Puppentheater und Performance für junges Publikum produziert und zeigt, so der Verband ASSITEJ e.V. in einer Pressemitteilung. Weiter heißt es zu den Ergebnissen, dass die Umsatz- und Zuschauerzahlen der Theater im Verhältnis zur Anzahl der Aufführungen zeigen, wie kleine und mittlere Institutionen eine große Vielfalt an Angeboten ermöglichen und dabei Produktionen für Kinder ab dem Babyalter bis hin zu jungen Erwachsenen anbieten. Deutlich werde, dass nur in größeren Städten und Metropolregionen ein vielfältiges Angebot für alle Altersgruppen gefördert und gezeigt wird. Im ländlichen Raum bemühten sich meist kommunal getragene Veranstaltungsorte darum, ihre Spielstätten für ein junges Publikum zu öffnen und begegneten im Alltag einem Mangel an Personal und Finanzierung sowie geeigneter Spielstätten.

Die Ensembles der Kinder- und Jugendtheater erarbeiten in kleinen Teams eine große Zahl von Produktionen, erklärt ASSITEJ e.V. Die Ensembles seien klein und die Gesamtzahl der Mitarbeiter liege häufig unter zehn Personen. Auffällig sei, dass ein großer Anteil der Ressourcen in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen oder in generationsübergreifende Projekte investiert wird. So seien insbesondere die Kinder- und Jugendtheater, die über eigene Häuser und Spielstätten verfügen, auch der Ort, wo unter professionellen Bedingungen mit denjenigen Theater gemacht wird, die die Vielfalt der Darstellenden Künste als Ausdrucksform selbst erproben möchten. Die Studie zeige, dass Theater sich als lokal vernetzte Akteure und als öffentliche Orte der Mitsprache verstehen. Dabei geben sie Kindern und Jugendlichen ebenso eine Stimme wie gesellschaftlichen Gruppen, die potentiell marginalisiert werden.

Der Verband fordert ausgehend von den Ergebnissen eine breit angelegte Debatte, die die kultur-, jugend- und bildungspolitische Relevanz der Darstellenden Künste für ein junges Publikum sichtbar macht. Die Gastspielförderung müsse ausgebaut und die Konzeptions- und Infrastrukturförderung für mobile, freie Theater intensiviert werden.  Kinder- und Jugendtheater bräuchten außerdem mehr Schauspieler und Projektdramaturgen sowie eine angemessene finanzielle Ausstattung und müssten als zentrale öffentliche Orte ausgebaut werden. Wenn diese Forderungen auf bundes-, landes- und kommunalpolitischer Ebene in konkretes Handeln umgesetzt und in den Etats sichtbar werden würden, können Kinder und Jugendliche Kunst und Kultur erleben, einander begegnen und unsere Gesellschaft gestalten, erklärt der Verband in seiner Pressemitteilung.

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