Tausende demonstrieren für das Theater

Bühnen aus ganz Deutschland solidarisieren sich mit Wuppertaler Schauspielhaus

Auf dem Platz vor dem Wuppertaler Schauspielhaus wimmelt es am Samstag von Menschen, die mit gelben Shirts und Buttons ihre Solidarität mit dem von der Schließung bedrohten Theater bekunden.

«Mir liegt das Haus am Herzen», sagt die 21 Jahre alte Gesa Hocke, die dort seit Jahren als Statistin arbeitet. Mit ihr kämpfen nun Kulturschaffende aus ganz Deutschland in einer großen Solidaritätsaktion am Welttheatertag gegen die Sparpläne der Stadt.

Es ist kurz nach 18 Uhr, als sich die Menschenmenge auflöst und eine knapp drei Kilometer lange Kette bis zum Opernhaus in Barmen bildet, an der sich etwa 2500 Bürger beteiligen. Mit dieser Demonstration erreicht die Protestaktion einen Höhepunkt.

Vertreter von rund 50 Theatern in ganz Deutschland sind in die Stadt an der Wupper gekommen, um gegen die angedrohte Schließung des Wuppertaler Schauspielhauses mobil und auf die Gefährdung anderer Theater in Städten wie Hagen, Oberhausen, Essen und Schleswig aufmerksam zu machen. Vor dem Schauspielhaus stehen Reisebusse aus Osnabrück und Dresden. Innen hängen Schreiben von befreundeten Theatern an einer langen Schnur, die durch das Foyer gespannt ist. «Uns haben die Schreckensnachrichten der vergangenen Woche wie ein Hammerschlag getroffen», schreibt dort das Schauspielhaus Bochum.

Eine größere Beteiligung der deutschen Bühnen an einer Solidaritätsdemonstration habe es bislang nicht gegeben, sagt Veranstalter Holk Freytag, Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein. «Wuppertal ist das Beispiel für die finanzielle Bedrohung der Kommunen in ganz Deutschland», sagt Freytag. Ziel der Veranstaltung sei es, auf den «Zustand aufmerksam zu machen, in den der Bund die Kommunen gebracht hat».

Zu diesem Zweck ist Christopher Schleiff (21) extra aus Berlin angereist. «Ich glaube an die Idee von Theater», sagt der junge Mann, der an der Hochschule für Schauspielkunst Puppenspiel studiert. Nun sieht er seine «bezahlte» berufliche Zukunft gefährdet. Wuppertal, so sieht er das, ist ein Präzedenzfall. Auch er nimmt, gemeinsam mit seinen 13 Kommilitonen, an der Menschenkette teil.

Aber auch darüber hinaus haben die Veranstalter ein spektakuläres Programm auf die Beine gestellt, das um zehn Uhr morgens mit einer Kranzniederlegung an den Gräbern des Schauspielers Arno Wüstenhofer und der Choreografin Pina Bausch, sowie einem Motorradkorso beginnt, an dem sich auch Schauspieler Armin Rohde beteiligt. Es endet mit einer großen Gala im Wuppertaler Opernhaus, wo unter anderem der Theaterpreis der «International Theatre Institute» an Christoph Marthaler und Anna Viebrock verliehen wird. Dort werden auch Unterschriften für den Erhalt des Theaters an Matthias Nocke, den Geschäftsbereichsleiter der Stadt Wuppertal,  übergeben.

Für Freytag ist die Veranstaltung auch unabhängig von weiteren politischen Entscheidungen ein Erfolg. «Wir haben eindrucksvoll gezeigt, dass man die Szene mobilisieren kann», sagt er. Und auch für die nächste Zeit kündigt er weitere Aktionen an. «Nach heute ist auf keinen Fall Schluss.»

Von ddp-Korrespondent Jan Filipzik
ddp/jfi/jas

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