Tennessee Williams wäre 100 Jahre alt geworden

Inszenierungen in sieben deutschen Städten

Als Tennessee Williams 1983 in einem New Yorker Hotel starb, war seine Karriere seit Jahren ins Stocken geraten. Fast 40 Jahre nach seinem Durchbruch am Broadway waren gute Kritiken selten geworden, die New York Times nannte ihn in ihrem Nachruf "fett und heruntergekommen". Dennoch gilt Williams heute als einer der bedeutendsten US-Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Berühmt wurde er mit Werken wie "Die Katze auf dem heißen Blechdach" und "Endstation Sehnsucht". Stars wie Marlon Brando und Elizabeth Taylor spielten in den Verfilmungen seiner Werke mit. Am 26. März wäre er 100 Jahre alt geworden.

Sein Werk ist mittlerweile wieder sehr gefragt. Am Broadway ist die Aufführung eines Williams-Stücks geplant. Die Schauspieler James Franco ("127 Hours") und Nicole Kidman ("The Hours") sind für die Hauptrollen im Gespräch, wie US-Medien berichten. In Deutschland zeigen sieben Bühnen Williams-Stücke, sogar eine Ballett-Version von "Endstation Sehnsucht" gibt es in Hamburg zu sehen.

Die Regisseurin Bettina Bruinier hat sich intensiv mit Tennessee Williams auseinandergesetzt und am Schauspiel Frankfurt "Die Katze auf dem heißen Blechdach" inszeniert (Premiere: 14. April). "Sein Werk ist hochaktuell", sagte sie der Nachrichtenagentur dapd. Williams beschäftige sich in seinen Werken mit dem Streben nach Glück, der Suche nach Wohlstand und Sicherheit. "Seit der Bankenkrise sind diese Themen auch für uns wieder wichtig geworden", sagt Bruinier. Ein Grund, weshalb viele Regisseure seine Theaterstücke wieder entdeckten.

"Ich denke, ich war ein geborener Schriftsteller"

Geboren wurde der Williams am 26. März 1911 unter dem Namen Thomas Lanie Williams. Sein Vater, ein reisender Textilkaufmann, soll ein Trinker und Poker-Spieler gewesen sein, seine Mutter hoch neurotisch. Bereits im Alter von zwölf Jahren begann er zu schreiben. "Ich denke, ich war ein geborener Schriftsteller", sagte er einmal in einem Interview mit "The Paris Review".

1931 begann er ein Studium der Theologie und Literatur, das er aus wirtschaftlichen Gründen unterbrechen musste. Zwei Jahre lang arbeitete er als kaufmännischer Angestellter in einer Schuhfabrik, versuchte in den Nächten zu schreiben, erlitt einen Nervenzusammenbruch. Erst 1938 schloss er mit einem Bachelor of Arts an der Staatsuniversität von Iowa ab.

Durchbruch mit "Die Glasmenagerie"

Sein erstes abendfüllendes Werk "Schlacht der Engel" wurde 1940 in New York mit nur geringem Erfolg aufgeführt. Es folgten für ihn harte Jahre, in denen Williams sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlug.

Der Durchbruch gelang dem Schriftsteller 1945 mit dem Familiendrama "Die Glasmenagerie", das autobiografische Züge trägt. Für "Endstation Sehnsucht" erhielt er 1947 den Pulitzer-Preis. Das Werk wurde mit Marlon Brando und Vivian Leigh verfilmt.

Den zweiten Pulitzer-Preis bekam Williams 1955 für das Schauspiel "Die Katze auf dem heißen Blechdach", in dessen Verfilmung Liz Taylor und Paul Newman die Hauptrollen spielten. Taylor war auch 1959 neben Katherine Hepburn in der Verfilmung von "Plötzlich im letzten Sommer" zu sehen.

Nach dem Erfolg kam die Lebenskrise

In den folgenden Jahren nahm die Kritik Williams Werke meist kühl auf und Williams geriet in eine Lebenskrise. Es kursierten Berichte über Drogenabhängigkeit und psychiatrische Behandlungen. Die geistige Instabilität seiner Schwester Rose und der Tod seines Sekretärs und Lebensgefährten trafen ihn schwer.

Williams ging es wie vielen seiner Theaterfiguren: Sein Streben nach Sicherheit und Glück blieb am Ende erfolglos. Er starb am 24. Februar 1983 im Alter von 71 Jahren.

Von Merle Schmalenbach

dapd

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