Wertvolles Westpaket

Händel-Haus in Halle erhält aus USA seltene Drucke von drei Opern und Oratorien

Das flache braune Paket mit unzähligen Aufklebern fällt in der Postabfertigung des Hauptzollamtes Halle-Schkopau unter den anderen Dutzenden Sendungen kaum auf.

Doch der Bibliothekar des Händel-Hauses aus Halle, Jens Wehmann, verspricht sich von dessen Inhalt sehr viel. Gezielt habe er weltweit in Antiquitäten-Katalogen nach Erstdrucken von Händel-Ausgaben gesucht.

In den Vereinigten Staaten sei er schließlich fündig geworden, erzählt der 35-Jährige, der seit zehn Jahren in der Bibliothek der Stiftung Händel-Haus arbeitet.

Unter den drei Dokumenten befinde sich mit der Händel-Oper «Aetius» ein Erstdruck, der bislang in keiner Bibliothek oder einem Archiv in Deutschland vorliegt, fügt Wehmann hinzu und greift sich ein Teppichmesser, um das zweieinhalb Kilogramm schwere Pakt zu öffnen. «Nur nicht so tief schneiden», sagt der Musikwissenschaftler und entfernt vorsichtig die Kartonage und die schützenden Folien.

Zum Vorschein kommen die Erstausgabe der Partitur der Händel-Oper «Aetius» (Ezio) sowie die Erstausgaben der späten Händel-Oratorien «Alexander Balus», von der es nur eine weitere in Deutschland geben soll, und «The Choice of Hercules». Wehmann streift sich weiße Handschuhe über und blättert in den Dokumenten. Dem Pakt aus den Vereinigten Staaten liegt noch eine Korrespondenz des englischen Händel-Forschers Jacob Maurice Coopersmith (1903 - 1968) aus den Jahren 1931 bis 1937 bei.

«Ja, es sind die Dokumente», die er bei dem New Yorker Antiquariat bestellt habe, sagt Wehmann zu den Zöllnern und wendet sich den formellen Zollangelegenheiten zu. Für die Sendung muss er die ermäßigte Einfuhr- und Umsatzsteuer von sieben Prozent entrichten. Wie hoch sie ist, will er nicht sagen. Nur so viel: «Einen mittleren vierstelligen Betrag» habe die Stiftung für den Erwerb der Noten ausgegeben.

In Halle, wo Georg Friedrich Händel (1685-1759) geboren wurde und heute in seinem Geburtshaus ein Museum an den barocken Komponisten erinnert, sollen die neuen Partituren für Ausstellungen und für wissenschaftliche Arbeiten genutzt werden. Gezeigt würden die Noten aber nicht alle auf einmal, schränkt Wehmann ein.

Damit befinden sich 15 Erstdrucke von Händels Opern und zwölf erste beziehungsweise frühere Ausgaben seiner Oratorien im Besitz des Händel-Hauses Halle. Als Zentrum der Händel-Pflege und -Forschung habe die Stiftung damit innerhalb kürzester Zeit eine weltweit bedeutende Sammlung an wertvollen Ausgaben in der Geburtsstadt von Händel aufbauen können.

Händel war einer der wenigen Komponisten seiner Zeit, dessen Werke schon zu Lebzeiten in größerem Umfang im Druck erschienen. Die Partituren seiner Werke wurden bereits parallel zu den ersten Aufführungen in kleiner Auflage angefertigt und verkauft. Insgesamt sind mehr als 600 Werke des Komponisten überliefert.

Nicht immer ist die Post, die die zwölf Zöllner in Halle-Schkopau an die Adressaten ausgeben, so spektakulär wie es die Händel-Erstdrucke waren, räumt Zollamtsrat Ralf Klose ein. Sendungen, die die Kunden im Internet-Auktionshaus Ebay ersteigert haben, machen den Großteil der jährlich etwa 7000 eingehenden Sendungen aus. Darunter befinden sich allerdings auch manchmal Plagiate. Die Händel-Partituren sind aber echt, wie Wehmann bestätigt.

Von ddp-Korrespondent Norbert Claus
ddp/ncl/pon

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