Blick hinter die Kulissen der Nibelungen

Wormser Festpiele veranstalteten erstmals Tag der offenen Tür

Bei einem echten Kampf würden die Schwerter sicher schneller durch die Luft sausen. Doch auch bei diesem Schaukampf im Wormser Heylshofpark trifft Metall krachend auf Metall.

So werden Hunderte von Zuschauern gebannt den Bewegungen der Kämpfer folgen. Schließlich ist das Duell beendet, Applaus brandet auf. «Hinter den Kulissen der Nibelungen-Festspiele», so lautet das Motto des Abends. wei Wochen bevor die diesjährige Saison mit der Premiere von «Das eben des Siegfried» eröffnet wird, hatten Besucher am onnerstagabend erstmals seit Bestehen der Festspiele in Worms die Gelegenheit, Maskenbildnern, Requisiteuren und Lichttechnikern auf die Finger zu schauen.

«Die Vorführungen heute finde ich sehr spannend, auch weil man als Besucher mal den Aufwand sieht, der hinter den Festspielen steht», sagt Hubert Listmann. Der 69 Jahre alte Rentner trägt hat gerade einem Feuerspucker bei seiner Vorführung zugesehen. Seit Beginn der Festspiele im Jahr 2002 kommen er und seine Frau regelmäßig zu den Festspielen. «Während des Theaterfestivals herrscht in der Stadt eine besondere Atmosphäre», schwärmt Eva-Maria Listmann, die als Gästeführerin in Worms arbeitet. Für die Stadt seien die jährlichen Aufführungen vor dem Kaiserdom ein Segen. Denn welche Stadt könne schon ein so geschichtsträchtiges Monument als Kulisse bieten? So wie das Paar empfinden es viele der zahlreichen Besucher.

Die Festspiele hätten sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe etabliert, Experimentierfreudigkeit und hochkarätige Schauspieler hätten dazu beigetragen, dass Worms wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt sei: So lautet der allgemeine Tenor der Besucher. Die 900 Tickets, die für den Donnerstagabend gratis ausgegeben wurden, waren nach Angaben der Organisatoren innerhalb von 20 Minuten weg. «Wir waren darüber wirklich erstaunt», berichtet Pressesprecherin Tanja Steiner.

Waffenmeister und Lichttechniker Karsten Rischer erklärt geduldig, welche der verschiedenen Schwertformen für welche Szenen wichtig sind. Er gibt Autogramme und beantwortet Fragen der Besucher. Bei allzu viel Einblick in die Arbeit der Theaterleute bestehe zwar die Gefahr, dass die Illusion des Spiels verloren gehe, gibt er zu bedenken. Daher dürfe man auch nicht alle Tricks verraten. «Aber es ist wichtig, dass sich die Leute einen besseren Überblick über unsere Arbeit machen können», findet der 46-Jährige. Schließlich gehe es auch um viel Geld, dass die Stadt in die Festspiele investiere.

Damit spricht der Waffenmeister ein Thema an, dass bei aller Begeisterung doch auch in den Gesprächen mit den Besuchern eine Rolle spielt - zumal die Stadt in diesem Jahr 150 000 Euro mehr als geplant für die Festspiele ausgeben muss. Ein Nachtragshaushalt für die Nibelungen-Festspiele war nötig geworden, da Sponsoren und private Förderer wegen der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage weniger Geld bereitgestellt hatten. Von den Gesamtkosten von 4,5 Millionen Euro trägt die Stadt nun 2,2 Millionen. Das ist zwar in etwa soviel wie auch in den vergangenen Jahren, aber eigentlich wollte Worms die Zuschüsse auf zwei Millionen Euro reduzieren.

Daher wundert es auch nicht, dass Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD) bei seiner Ansprache auf der Schauspielbühne die Vorteile der Nibelungen-Festspiele preist, dank derer im In- und Ausland über Worms gesprochen werde. «Die Nibelungenfestspiele sind mittlerweile auch ein Wirtschaftsfaktor geworden», betonte der OB.

Intendant Dieter Wedel wird derweil in einem Holzschiff auf die Bühne gefahren. Unter großem Applaus schwärmt er von der grandiosen Spielstätte, hier in Worms direkt vor dem Kaiserdom. Gefragt, ob ihm die Arbeit in der Stadt noch immer gefalle, sagt er: «Ich stehe hier, und es bereitet mir ein großes Vergnügen.» Applaus brandet auf - und das Loch im Etat der Festspiele ist zumindest für diesen Moment vergessen.

Von ddp-Korrespondent Stephen Wolf

ddp/swo/wsd

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