Hollywood goes Recklinghausen

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Als im besonders harten Nachkriegswinter 1946/47 Bergleute der Zeche König Ludwig 4/5 in Recklinghausen-Suderwich Kohle für Hamburger Theater an den Besatzungsmächten vorbeischleusten, wurde unter dem Motto „Ihr für uns – wir für euch: Kunst für Kohle“ eines der ältesten Theaterfestivals Europas gegründet. Die Ruhrfestspiele sind heute, zum Ende der vierzehnjährigen Ära Frank Hoffmanns als Festivalleiter, mit durchschnittlich über 80 000 Besuchern (ohne Kulturvolksfest) das erfolgreichste, mit zuletzt stets über einhundert Produktionen eines der größten und, was die Zahl der Ur- und Erstaufführungen betrifft, das bei weitem anspruchsvollste Theaterfestival Europas.

„Heinrich IV.“ von Luigi Pirandello, Regie: Frank Hoffmann, Foto Birgit Hupfeld
„Heinrich IV.“ von Luigi Pirandello, Regie: Frank Hoffmann, Foto Birgit Hupfeld

In der nunmehr 71-jährigen Geschichte dieser immer noch durch die Stadt Recklinghausen und den Deutschen Gewerkschaftsbund getragenen, ohne weitere staatliche Zuschussgeber und private Sponsoren allerdings undenkbaren Institution hat es seit 1947, als die Hamburger im notdürftig hergerichteten Saalbau am Fuße des „grünen Hügels“ mit jeweils zwei Opern- und Schauspielaufführungen gastierten, eine solche rasante Entwicklung zum Positiven wie unter Hoffmann noch nicht gegeben. Der ersten Eigeninszenierung zu Goethes 200. Geburtstag 1949, „Faust I“, folgten zwar bereits 1954 die erste bundesdeutsche Tournee mit Lessings „Nathan der Weise“ und drei Jahre später mit Goethes „Iphigenie“ die erste Europa-Tournee einer Eigenproduktion durch immerhin neun Staaten, aber es war noch ein weiter Weg bis zu den insgesamt dreizehn Europäischen Festivals Hansgünther Heymes, der zwischen 1991 und 2003 für einen enormen künstlerischen Aufschwung sorgte.

Vorausgegangen waren 1960 der erste Spatenstich für das Festspielhaus im Stadtgarten und der Start des „Jungen Forums“ mit einem absichtsvoll provokanten eigenständigen Programm, 1970 und 1988 der zweimalige, letztlich gescheiterte Versuch eines künstlerischen Ost-West-Austausches mit der DDR, das erste Kulturvolksfest am 1. Mai 1977 mit seither stets um die 100 000 Besuchern sowie 1981 die Gründung eines ganzjährig tätigen, zunächst von Götz Loepelmann geleiteten Ensembles, dem zwischen 1984 und 1995 in der Ägide Wolfgang Lichtensteins mit dem Theater im Depot eine eigene Spielstätte zur Verfügung stand.

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