Alles auf Anfang

Die Transformationsprozesse im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin von der Wiedervereinigung bis 2016

von und

Die deutsche Wiedervereinigung führte zu radikalen Veränderungen in der ostdeutschen Kulturlandschaft. Auch wenn im Einigungsvertrag in Artikel 35 ihr substantieller Erhalt festgeschrieben wurde, konnte es auf vielen Ebenen kein einfaches Fortführen des bis dahin üblichen Arbeitens geben. Die Theater hatten in der DDR bestimmte gesellschaftliche Funktionen übernommen, die es plötzlich so nicht mehr gab. Das Publikum stürzte sich auf andere, bisher weniger oder nicht zugängliche Kulturangebote und Freizeitbeschäftigungen. Das Theater erlebte eine völlig neue Konkurrenzsituation. Auch die Frage der Finanzierung stellte sich plötzlich und sofort mit Dringlichkeit. Dies betraf auch die rechtliche und wirtschaftliche Organisationsstruktur, die neu geordnet werden musste.

Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin. Foto Silke Winkler
Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin. Foto Silke Winkler

In den zurückliegenden rund 25 Jahren wurde viel erfunden und entworfen, probiert und umgebaut. Dabei ist das Schweriner Theater ein Haus geblieben, welches stark in der Stadt verankert ist, dessen Rückhalt in der Bevölkerung es immer wieder getragen und geschützt hat. Es gehört zum Selbstverständnis der Stadtbevölkerung und erreicht sensationelle Besucherzahlen sowie – für einen Mehrspartenrepertoirebetrieb – überdurchschnittliche Eigeneinnahmen. Selten wurde ein solcher Prozess über ein Vierteljahrhundert mit einem einzigen Intendanten realisiert. Dies gibt uns hier die Möglichkeit, einen langen und für die Theater im Osten sicherlich typischen, zugleich besonders erfolgreichen Weg nicht nur von außen, sondern auch aus einer kontinuierlichen Innensicht zu beschreiben.

Nach mittlerweile über 25 Nachwendejahren als „Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin“ in kommunaler Trägerschaft steht der Übergang in Landesträgerschaft bevor. Am Ende dieses Prozesses wird es ein „Mecklenburgisches Staatstheater“ sein, das überdies das bisherige Mecklenburgische Landestheater Parchim integrieren soll.

1990 wurde vieles „auf Anfang“ gesetzt, alle Selbstverständlichkeiten und Selbstverständnisse außer Kraft gesetzt oder zumindest angezweifelt – wie man mit dieser grundlegenden Infragestellung der bisherigen Qualität, Rolle, Organisation, Finanzierung und Struktur von Theater in den neuen Bundesländern umging, beschreibt am Beispiel Schwerin dieses Buch. Waren Neuanfänge, Umdenken, schrittweise Anpassungen oder Kontinuitäten möglich? Wo formierten sich künstlerische „Widerstandsnester“, wo stieß man auf Barrieren und Angst, wo regierten Pragmatismus und kräftiges Anpacken oder auch Anpassen? Dies beleuchten Macher wie Beobachter, Zeitzeugen wie Nachfolger, Künstler wie Manager – aus ihren verschiedenen Perspektiven.

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