Zum vorliegenden Buch

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Kathrin Rögglas im Juni und Juli 2014 in Saarbrücken im Rahmen der von ihr – nach Rimini Protokoll (2012) und Roland Schimmelpfennig (2013) – übernommenen 3. Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik1 gehaltenen drei öffentlichen Vorträge gehören zweifellos zu den herausragenden und herausforderndsten Reflexionen über das Theater der Gegenwart aus den letzten Jahren. Geleitet vom unbedingten Willen, die Möglichkeiten und Grenzen eines den gesellschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart ästhetisch angemessenen Theaters zu erkunden, bieten ihre hier abgedruckten Vorlesungen dezidiert keine Geschichte ihres eigenen Werkes, sondern fundamentale Überlegungen zum Theater in den sich radikal verändernden gesellschaftlichen Verhältnissen der Gegenwart – fußend auf einem breiten Sockel gesellschaftswissenschaft - licher Analysen der aktuellen Entwicklungen. Dem grundlegenden Problemaufriss fügt Röggla in ihren Vorträgen dabei auf fast jeder Seite neue Perspektiven hinzu und weist diesen so als hochkomplexe Herausforderung aus, deren Lösung weder leicht und schnell zu entwickeln ist noch bereits gefunden wäre. Sie beeindruckt durch die intellektuelle Dichte ihrer Argumentation ebenso wie durch die Entschiedenheit, die Lage der Dinge so genau wie möglich erfassen und vermessen zu wollen – auch wenn sich auf diesem Weg die Entwicklung einer angemessenen Antwort auf die Problemstellung immer weiter zu komplizieren scheint.

Foto Kathrin RögglaBildrecherche zu „Der Lärmkrieg“, ein Auftragswerk des Schauspiels Leipzig 2013, Foto Kathrin Röggla

So sehr allerdings Kathrin Rögglas Vorträge von einer immer neu ansetzenden Such- und Denkbewegung geprägt sind, so zweifelsfrei lässt sich in ihnen zugleich ein fixes Zentrum, ein außer Frage stehender Ausgangspunkt ausmachen:

Meine schriftstellerische Praxis mag sich auf den ersten Blick nicht mehr mit dem Utopischen in Verbindung bringen lassen, aber es verhält sich sicher so [...], dass ich doch den Wald vor lauter Bäumen noch sehen will, das heißt, ich will Gesellschaft als Zusammenhang verstehen, auch wenn er nicht mehr in der geschlossenen Form beschreibbar ist, wie man es vor dreißig Jahren gemacht hätte. Dies kann ich ganz klassisch nur in Verbindung mit der Hoffnung auf eine gesellschaftliche Veränderung, auf ein Leben, das sozial gerechter und glücklicher verläuft, wollen. Theater ist mir nicht reines Spiel, es ist nicht reines Ereignis, es ist kein kritikloses Dabeisein mit der Wirklichkeit, ich bin kein interesseloser Spaziergänger der Wirklichkeit [...]. Ich will Formen des Sprechens finden, die den Gewaltzusammenhang gesellschaftlicher Verhältnisse deutlicher hervortreten lassen und gleichzeitig unterlaufen. (22)2

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