Forschung als & | Research as an Ampersand

von

2. Teil: 2007–2017
Erste Schritte und Projekte
Von einem kleinen Team zwischen Aufbruch und Zusammenbruch

«Vorübergehend sein und bleiben.»
Botho Strauß, Paare, Passanten

Bereits das erste forschungsbasierte Symposium im Gründungsjahr des ipf mit dem Titel «Anderes Theater?» (s. S. 134) verknüpfte die Buchvernissage zu Rimini Protokoll. Experten des Alltags mit grundsätzlichen Fragen zur Ausbildung. Und wir versuchten von Anfang an, Expert/innen aus Ensembles, Universitäten und Schauspielschulen zusammenzubringen. Die Gästeliste des ersten Jahres schliesst prototypisch die drei Richtungen aus Bildung, Praxis und Wissenschaft ein: Genannt seien der Choreograf und Compagnieleiter William Forsythe, der Komponist, Regisseur und Professor Heiner Goebbels, der ehemalige Beleuchter und jetzige Institutsleiter Andreas Kotte und die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Schweizerischen Nationalfonds Brigitte Arpagaus. Das ipf suchte gleichwertig den Dialog mit den Bühnen- und Filmprofis, mit den Ausbildungsverantwortlichen und den Wissenschaftler/innen zu etablieren. Wir gingen davon aus, dass relevante Forschung von morgen nur zusammen mit den Machern von heute betrieben werden könne. Auch die zweite Tagung fragte nicht weniger provokativ, «Wie viel Schule braucht das Theater?», und richtete die Aufmerksamkeit auf fachnahe Phänomene. Der Leitspruch aller Flyer wurde Programm: «Forschung als Widerstand gegen den unaufhaltsamen Verlust von Wahrnehmung».

Parallel dazu entwickelten sich ab 2008 die ersten Dokumentarfilmtagungen. Im ersten Jahr zum Thema «Strategien der Authentizität», schon 2009 zum Thema «Research at Film – Der Dokumentarfilm forscht», und seither jährlich in enger Verbindung zwischen Forschung und Lehre.

Am 14. Dezember 2010 bewilligte endlich auch der Fachhochschulrat der Zürcher Fachhochschulen das ipf und die anderen beantragten Institute der ZHdK «vorbehaltlos». Diese offizielle Genehmigung änderte zwar nichts am operativen Alltag, aber wir freuten uns trotzdem. Jetzt waren wir offiziell. Fortan schrieb sich das ipf in Majuskeln, IPF.

Was aber ist künstlerische Forschung?
«Wenn die Antwort der Mensch ist, was ist dann die Frage?»
Martin Crimp

Wie also forscht man mit (statt über) Film, Tanz oder Theater, mit (statt über) Künstler/innen?

Es ist diese Einleitung nicht der Ort, die vielen existierenden Publikationen zum Thema zu kommentieren. Unzählige interessante, wichtige Antworten auf Fragen wie Methodik oder Dissemination künstlerischer Forschung liegen vor. Am IPF war Forschung immer Forschung mit oder für Kunst. Ganz nach der trichotomischen Unterscheidung von Henk Borgdorff, die wir uns schon früh zu eigen gemacht haben.8 Die Projekte, Tagungen und Publikationen des IPF versuchten immer, sich an Künstler/ innen, an Wissenschaftler/innen und Dozent/innen zu richten. Und dann mit diesen, wo möglich, statt rationaler Universalisierbarkeit die Einsicht in einen fachspezifisch inhärenten Wissensvorsprung zu erarbeiten.

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