Thomas Brasch, Das blanke Wesen
Herausgegeben von Martina Hanf, Kristin Schulz
Broschur mit 175 Seiten
Format: 215 x 285 mm
Preis EUR 12,80
ISBN 978-3-934344-36-5
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- "Brasch, das zeigen auch die Texte dieses Bandes, überfällt einen stets dann mit Zartheit, wenn man seine wilde Rücksichtslosigkeit zu enthüllen glaubte"
- Neues Deutschland
Thomas Brasch, Das blanke Wesen
Herausgegeben von Martina Hanf, Kristin Schulz
"Brasch, das zeigen auch die Texte dieses Bandes, überfällt einen stets dann mit Zartheit, wenn man seine wilde Rücksichtslosigkeit zu enthüllen glaubte" Neues Deutschland
Bis zum Ende seiner Kindheit will er einen immer wiederkehrenden Traum haben, in dem die Person, von der er behaupten wird, sie sei durch die offene Schädeldecke in seinen Kopf eingedrungen und habe sich hinter seinen Augenfenstern eingerichtet, mit einer Nagelschere sich die Haut vom Leib schneidet, sie vorsichtig vom Körper trennt und das Hautkleid dann sorgfältig zu einer späteren Verwendung zusammenfaltet, wie Brunke es seine Mutter Marie mit den Bettlaken hat tun sehen. Dann legte das von Brunke so genannte blanke Wesen die Haut sorgfältig in ein Kistchen und setzt sich bis zu seinem Auszug hinter Brunkes Augenfenster, um Einblick in die Welt zu nehmen, seinen Hausherrn auf Fehler des gesellschaftlichen Lebens aufmerksam zu machen und Vorschläge für den Fortgang der Biographie zu unterbreiten. Wenn Brunke am Morgen erwacht, ist er jeden Tag aufs Neue verwundert, daß ihm an seinem blanken Wesen weder ein Herz noch ein vergleichbares Lebensantriebsgerät aufgefallen ist.
Aus einem unveröffentlichten Konvolut des Romans MÄDCHENMÖRDER BRUNKE. [Anfang 90er Jahre]




