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Das junge estnische Theater ist experimentierfreudig und technikverliebt – und erzählt damit auch etwas über sein Land

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Vor. Tick. Zurück. Tack. Dann wieder vor. Tick. Und zurück. Tack. Fast forward. Und rewind. FF. And REWFF. Rhythmus des Lebens. Der Herzschlag. Die Schritte. Einer vor und einer zurück. Vor und zurück. Vor und zurück.

Vor, tick. Zurück, tack. Und wieder vor, tick – Henri Hütt sucht in seiner Techno-Performance „Rhythm is a Dancer“ nach seinem Lebensrhythmus. Foto Hannes Aasamets
Vor, tick. Zurück, tack. Und wieder vor, tick – Henri Hütt sucht in seiner Techno-Performance „Rhythm is a Dancer“ nach seinem Lebensrhythmus. Foto Hannes Aasamets

In seiner sehr persönlichen Techno-Performance „Rhythm is a Dancer“ sucht der junge Este Henri Hütt nach seinem eigenen Rhythmus. Ist es sein Puls? Sein Tritt? Ist es die Liebe? Die Abfolge von wiederholten Fehlern, die er gemacht hat? Mit aneinandergeschnittenen Videoclips springt Hütt zu Elektromusik, zum Takt von Metronomen oder zum Pulsieren seines eigenen Herzschlags durch die Zeit und erzählt beim Ausloten des Verhältnisses von Bewegung zu Sound zu Licht zum Raum von Dingen, die den Rhythmus seines Lebens veränderten. Einer vor und einer zurück. Ein Sprung nach vorn. Noch ein Sprung. Hallo Zukunft.

„Ich finde, die Diskussion läuft in den meisten Staaten auf dem Niveau digitaler Analphabeten.“ Das antwortete der estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves 2013 perplex auf die Frage, warum die Esten so viel Vertrauen in ihren Staat hätten, dass sie sämtliche sensible Daten in seine Hände legen. – Nach Edward Snowden und der von ihm ausgelösten Überwachungs- und Spionageaffäre scheint das ein gewagtes Statement. Ilves jedenfalls sorgt sich beim Datenschutz weniger um Big Brother Staat als vielmehr um Big Data à la Google und dessen krakenarmiges auf Daten gerichtetes Unternehmerinteresse.

Estland ist ein technikverliebtes Land. Der digitale Staat wird massiv gefördert: WLAN gibt es praktisch überall, das Recht auf einen Internet-Breitbandzugang steht in Estland in der Verfassung. Weit über 100 staatliche Dienstleistungen werden bisher online angeboten: Man kann digital wählen, rechtlich wirksam Grundstücke überschreiben, seine zentrale Krankenakte in der Gesundheitsdatenbank einsehen, die theoretische Führerscheinprüfung ablegen oder, was das kleine 1,3-Millionen-Einwohner- Land auch für ausländische Investoren interessant machen soll, innerhalb von 15 Minuten eine Firma gründen – online, mit seiner e-residency, der digitalen estnischen Staatsbürgerschaft, die praktisch jeder Weltbürger, grenzüberschreitend, beantragen kann. Die Technik, inklusive Verschlüsselung, stellt der Staat bereit.

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