Stück

Solange es Checkpoints gibt …

Die israelische Dramatikerin Maya Arad über ihr Stück „Gott wartet an der Haltestelle“ im Gespräch mit Mehdi Moradpour

von und

Maya Arad, Sie schrieben Ihr Stück im Rahmen des Projekts TERRORisms der Europäischen Theaterunion (UTE). Es beginnt mit einer rasanten Dynamik: In einer dichten Sprache und mit diversen Rück- und Vorblenden versuchen die Figuren anhand von unterschiedlichen Fragmenten, einem Selbstmordattentat nachzugehen, das eine Frau in einem israelischen Restaurant verübt hat. Sie spüren den destruktiven Spuren der Besatzungspolitik sowie patriarchalischer Familienverhältnisse nach. Wie und wo haben Sie angefangen, über diese „explosive“ Thematik zu recherchieren?
Das Thema Terrorismus war von Anfang an vorgegeben. Es ist ein Thema, bei dem man sich auf einem Minenfeld bewegt. Zuerst habe ich angefangen, in einem größeren Kontext zu recherchieren. Ich dachte sogar darüber nach, die jüdische Widerstandsbewegung während der britischen Besatzung Palästinas nach dem Ersten Weltkrieg auf irgendeine Art mit dem jetzigen Terrorismus in Israel in Verbindung zu bringen. Allerdings habe ich früh erkannt, dass ein Vergleich zwischen den beiden Phasen des Terrors falsch wäre. Ich habe zeitweise an Orten gelebt, die regelmäßig von Terroranschlägen getroffen wurden. Besonders schlimm war es während der zweiten Intifada 2000 bis 2005 in Jerusalem, wo ich studiert habe. Ich hätte also selbst Opfer eines solchen Aktes werden können. Daher habe ich den Fokus zunächst auf diese Zeit gesetzt, zu der ich einen persönlichen Zugang habe. Ich habe einige der größten Terroranschläge dieser Jahre untersucht, die Geschichten der Selbstmordattentäter, die der Opfer und die der Soldaten an den Checkpoints und so weiter.

Foto: Steve Alcemi
Foto: Steve Alcemi

Das Stück hat ein großes Repertoire an Figuren. Die Protagonistinnen sind zwei junge Frauen: die in einem Lager aufgewachsene palästinensische Krankenschwester Amal, deren Bruder auf seiner eigenen Verlobungsfeier durch den israelischen Geheimdienst ermordet wird, und die israelische Checkpoint-Soldatin Yael, die Amal entgegen allen Vorschriften ohne Passierschein über die Grenze gehen lässt.
Unter all den Attentaten in dieser Zeit bin ich auf einen faszinierenden Fall gestoßen. Erstens ging es dabei um eine Terroristin. Zweitens hatte sie eine sehr spezielle Biografie. Während in den anderen fünf Fällen, die ebenfalls von Frauen ausgeführt wurden, die Attentäterinnen aus persönlichen Gründen ihr Leben beenden wollten, wollte sich die Attentäterin in diesem Fall rächen, ein Beweggrund, der politischer und dramatischer ist. Es gab zudem einen Taxifahrer, der sie in das Restaurant gefahren hatte. Die Frage, ob er von ihrem Vorhaben gewusst hatte oder nicht, blieb während der zahlreichen Prozesse ungeklärt. Darüber hinaus habe ich mich dann mit dem Prozess der Entscheidungsfindung an den Checkpoints und mit anderen, ähnlichen Fällen beschäftigt.

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